engels: Herr Hüttenhölscher, sind Sie zufrieden mit der Energiepolitik der Bundesregierung?
Norbert Hüttenhölscher: Viele Teile des Energiekonzepts der Bundesregierung sind sehr ambitioniert und zu begrüßen. Aus Sicht der Stadtwerke wäre aber eine kürzere Laufzeitverlängerung wünschenswert gewesen. Die Stadtwerke haben auf den mit den Kernkraftwerksbetreibern vereinbarten Ausstieg vertraut und daraufhin hohe Beträge in regenerative Energien, Kraftwärmekopplung und in Energieeffizienz investiert.
Haben Sie Geld in den Sand gesetzt?
Diese Formulierung ist mir zu drastisch. Wir müssen die Gewinnung regenerativer Energien so oder so weiter ausbauen. Wir hätten allerdings manche Investition zeitlich gestreckt, wenn wir eher von dieser Laufzeitverlängerung gewusst hätten. Man hätte nicht so schnell so viel Geld in die Hand genommen. Strom aus Kernkraft gilt als günstiger und konkurriert so mit regenerativen Energien.
Kernenergie gilt als günstiger. Ist sie es nicht?
Volkswirtschaftlich betrachtet ist sie es nicht. Viele Kosten tauchen in der Kalkulation der Betreiber nicht auf: Entsorgungskosten, die Kosten zur Sicherung der Transporte, die Kosten für Versicherungen gegen Unfälle. Betriebswirtschaftlich ist Kernenergie für die Betreiber lukrativ. Volkswirtschaftlich mache ich ein großes Fragezeichen.
Sie sagten, Sie hätten später und weniger in regenerative Energien investiert. Heißt das nicht auch, dass die Laufzeitverlängerung Klimaschutz verhindert?
Das Fernziel der Bundesregierung ist eine völlige Umstellung auf regenerative Energien. Das erkenne ich an. Ich fürchte aber, dass die Bundesregierung und die großen Stromversoger sich auf der nun sehr lang ausgefallenen Laufzeitverlängerung ein bisschen ausruhen können.
Verzerrt die Laufzeitverlängerung den Wettbewerb zwischen den verschiedenen Stromanbietern?
Sie gebrauchen immer so harte Formulierungen. Natürlich ist die Laufzeitverlängerung für die Kraftwerksbetreiber von wirtschaftlichem Vorteil. Einen Teil dieses Gewinns schöpft die Bundesregierung aber ab, um die Nutzung regenerativer Energiequellen weiter ausbauen zu können. RWE hat darauf verlauten lassen, dass jetzt schwere Zeiten auf sie zukämen . Ich halte das für übertrieben. Wir werden ja sehen, was passiert.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Wohnträume
Intro – Das große Versagen
Die Demokratie endet mit einem Wimmern
Teil 1: Leitartikel – Politik muss begreifen: Die Bevölkerung ist systemrelevant
„Deutschland ist ungleicher geworden“
Teil 1: Interview – Soziologin Bettina Kohlrausch über Armut, Existenzängste und Sozialstaat
Entlastung ist nur ein Anfang
Teil 1: Lokale Initiativen – Kindertal-Vorsitzende Susanne Bossy über Kinderarmut in Wuppertal
Von Vorwand zu Vorwand
Teil 2: Leitartikel – Politik ist nicht getrieben, sie lässt sich einspannen
„Für die Parteien steht viel auf dem Spiel“
Teil 2: Interview – Politologin Dorothée de Nève über Identität und Konsens in der Politik
Helfen statt Ausgrenzen
Teil 2: Lokale Initiativen – Das Interkulturelle Zentrum in Köln-Nippes
Die Natur nimmt sich Zeit – die wir nicht haben
Teil 3: Leitartikel – Über Naturschutz, Wirtschaft und politische Kurzsichtigkeit
„Die Einschläge kommen näher“
Teil 3: Interview – Politologe Reinhard Loske über Naturschutz und wirtschaftliche Interessen
„Fellnasen“ im Wohnzimmer
Teil 3: Lokale Initiativen – Bochumerin hilft ehrenamtlich Fledermäusen
Neues Vertrauen
Digitale Bürgerbeteiligung – Europa-Vorbild Spanien
Ist die Welt erst ruiniert …
Gut erzählt ist auch Ungerechtigkeit eine spannende Geschichte – Glosse
Empathie-Expertise
Intro – Bonus-Level
Um die Existenz spielen
Teil 1: Leitartikel – Was Videospiele mit der Wirklichkeit zu tun haben
„Es gibt aufklärerische Spiele“
Teil 1: Interview – Historiker Nico Nolden über Politik und Geschichte in Videospielen
Was Karten verraten
Teil 1: Lokale Initiativen – Bildungsforscher Michael Morawski über Gaming und Geographiedidaktik
Virtuelle Resonanz
Teil 2: Leitartikel – Videospiele in der Psychotherapie
„Spiele einfach genießen“
Teil 2: Interview – Psychologin Silke Lux über gesundheitliche Wirkungen von Videospielen
Spielen gegen Radikalisierung
Teil 2: Lokale Initiativen – Das Kölner Videospiel-Studio Zweisiedlerkrebs
Das Spiel mit der Geschichte
Teil 3: Leitartikel – Was Videospiele über Gesellschaften erzählen
„Eine Komplexität, die man in anderen Medien kaum findet“
Teil 3: Interview – Medienwissenschaftler Christian Schwarzenegger über die kulturelle Bedeutung von Videospielen
Im Rausch der Autobahn
Teil 3: Lokale Initiativen – Das Videospielstudio Z-Software in Lünen
Meine fremde Wohnung
Niederlande als Vorreiter für gesundheitsfördernde Videospiele – Europa-Vorbild Niederlande
Tagebuch eines Kellerkinds
Wie Physik-Engines und NPCs einem das Leben vermiesen können – Glosse
Mehr, mehr, mehr!
Intro – Eine eigene Geschichte