Die Karriere der Wuppertalerin begann zunächst erfolgreich: In einer Firma vor Ort machte sie ihre Ausbildung im Sekretariat. Im Anschluss blieb sie dem Unternehmen 13 Jahre lang treu. Auch, als sich Name und Geschäftsstrukturen änderten. Dann das Aus: Wieder eine Umstrukturierung, ihr Werk wurde geschlossen. „Ich bekam eine Abfindung. Danach war nichts mehr.“ Die Arbeitsagentur war ihr keine Hilfe, es ging auf Weihnachten zu. „Niemand hat eingestellt. Hatte ich ein Vorstellungsgespräch, hieß es: Sie sind überqualifiziert.“ Daraban bewarb sich bei Zeitarbeitsfirmen. Eine davon bestellte sie prompt zum Gespräch. Es begannen eineinhalb quälende Jahre.
Den Gestank der dampfenden Flüssigkeiten und die Verbrennungen durch unzählige Spritzer hielt sie aus
Dass die Firma ihr 3,71 Euro pro Stunde zahlte, sie zehn Stunden durcharbeiten ließ und ihr Gewerkschaftsbeiträge abnahm, obwohl sie nicht organisiert war, war längst nicht alles. Karin Daraban konnte sich an keiner Arbeitsstätte eingewöhnen. Manchmal musste sie unangekündigt nach drei Tagen, spätestens nach zwei Wochen ihren Job wechseln. Schlimmer noch waren die Arbeitsbedingungen. Fast ausschließlich in abgelegenen Galvaniken schuftete die heute 58Jährige neben Zeitarbeitern und Häftlingen auf Bewährung. Bereits um 5 Uhr in der Frühe stanzte sie Objekte über heißem Öl aus. Ihre Arbeitshandschuhe waren nach zwei Stunden durchgescheuert, neue gab es nicht. Den Gestank der dampfenden Flüssigkeiten und die Verbrennungen durch unzählige Spritzer hielt sie aus. Teils war sie erst fünf Stunden nach Feierabend zu Hause, weil der Fahrdienst Touren zusammenfasste, bei drei beendeten Schichten erst nach der letzten eintraf, um die Arbeiter heimzubringen. Daraban blieb. „Wir brauchten jeden Cent.“
Eines Tages war Schluss. Die Wuppertalerin kündigte, ging zu Verdi, klagte. Teilweise mit Erfolg. Dennoch ist die Zeitarbeitsfirma weiter aktiv, ködert Arbeitslose unter anderem mit einem Stundenlohn von 2,50 Euro. Karin Daraban erinnern heute nur noch Brandnarben an die Zeit, als sie sich für 3,71 Euro den Rücken krumm arbeitete.
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