engels: Herr Giegold, wie sähe ein grünes Europa aus?
Sven Giegold: Ein grünes Europa würde Wirtschaft und Umwelt zusammendenken und nicht gegeneinander ausspielen. Außerdem brauchen wir ein Europa, das sozial und menschlich ist. Europa wurde bislang als Wirtschaftsgemeinschaft aufgebaut. Es fehlt ein soziales Dach.
Die Machtverhältnisse im Europaparlament sprechen gegen eine Verwirklichung Ihrer Ideen?
Die liberal-konservative Mehrheit im Europaparlament wie auch im Europäischen Rat hat sozialen und ökologischen Fortschritt oft verhindert. Allerdings war bislang das Europaparlament trotzdem immer viel ökologischer und sozialer als die meisten einzelnen Mitgliedsstaaten.
Gibt es ein Beispiel für die Gestaltungsmöglichkeiten des Europaparlaments?
Ich nenne zwei Beispiele. Die liberal-konservative Mehrheit hat verhindert, dass es strenge CO2-Grenzwerte für Autos gibt. Andererseits hat das Europaparlament auch durch Initiative der GRÜNEN durchgesetzt, dass bis 2020 alle Mitgliedsstaaten 20 Prozent ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien beziehen.
Bezüglich CO2 gab es auch viel Druck von der Bundesregierung, die Grenzwerte auf hohem Niveau festzusetzen.
Für CDU- und SPD-Politiker ist es einfach, sich mit Eisbär Knut oder in der Arktis fotografieren zu lassen. Bei konkreten Beschlüssen zählen dann aber doch die Interessen der alten Industrien. Das ist kurzsichtig. Durch falsche Förderpolitik droht den Standorten der Autoindustrie das gleiche Schicksal wie dem Ruhrgebiet in den 1980er Jahren.
Auf die Vita von Matthias Berninger, dem grünen Männchen von Mars, anspielend, folgende Frage: Sie kamen von Attac und sind jetzt bei den Grünen. Wann wechseln Sie zu einem Süßwarenhersteller?
Ich streite bei den Grünen für die gleichen Inhalte wie bei Attac. Natürlich gibt es einige Leute, die nun darauf gespannt sind, dass ich mich inhaltlich verbiege. Darauf warten diese Personen vergeblich. Zur alten Industrie-Lobby werde ich sicher nicht gehen.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Mehr, mehr, mehr!
Intro – Eine eigene Geschichte
Unser gemeinsames Einwanderungsland
Teil 1: Leitartikel – Wie wir eine freiere Zukunft gestalten können
„Das politische Handlungsbewusstsein fehlt“
Teil 1: Interview – Amadeu-Antonio-Stiftung: Lorenz Blumenthaler über Fremdsein und Diskriminierung
Integration unter Druck
Teil 1: Lokale Initiativen – Der Jugendmigrationsdienst Wuppertal begleitet Menschen durch ein widersprüchliches System
Mehr als einem lieb sein kann
Teil 2: Leitartikel – NS-Erbe: Das Arbeitsrecht unterdrückt politischen Widerstand von Beschäftigten
„Im Augenblick sehe ich keine kritische Masse für eine breite Bewegung“
Teil 2: Interview – Politologe Alexander Gallas über Protest, Streik und Generalstreik
Bildung für die diverse Gesellschaft
Teil 2: Lokale Initiativen – Der Kölner Stadtverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Zweifel der Gesellschaft
Teil 3: Leitartikel – Erinnerungskultur muss sich von Ritualen verabschieden
„Verhindern, dass Wissen durch Geschichtspolitik ersetzt wird“
Teil 3: Interview – Historiker Jörn Leonhard über Angriffe auf die Erinnerungskultur
Gegen die Menschenverachtung
Teil 3: Lokale Initiativen – Das Fritz-Bauer-Forum in Bochum
Den Banken widersprechen
Island und das Gemeinwohl – Europa-Vorbild Island
Deutsche Angst
Geschichte und Gedächtnis – Glosse
Deckmantel Gefühl
Intro – Guter Umgang
Alles Lüge!
Teil 1: Leitartikel – Duz-Kultur und falsches Wir-Gefühl verschleiern Interessenkonflikte auf der Arbeit
„Das Gefühl, dass hier Nähe entsteht“
Teil 1: Interview – Psychologin Lara Luisa Eder über persönlichen Umgang auf der Arbeit
Nicht sprachlos in den Ruhestand
Teil 1: Lokale Initiativen – Das Fachgebiet Arbeitswissenschaft an der Uni Wuppertal
Benimm dich!
Teil 2: Leitartikel – Eine Gesellschaft kann nur frei sein, wenn sich ihre Mitglieder an Regeln halten
„Heute sind die Menschen eher bei sich“
Teil 2: Interview – Kommunikationspsychologin Christine Flaßbeck über Sprache im Wandel
Entspannt unterwegs
Teil 2: Lokale Initiativen – Köln: KVB-Kampagne für mehr Freundlichkeit
Dubidu
Teil 3: Leitartikel – Reiz und Risiken niederschwelliger Verständigung
„Ein Stammtisch hat nicht nur negative Seiten“
Teil 3: Interview – Medienwissenschaftlerin Paula Nitschke über politische Influencer:innen
Gut erzählte Wahrheit
Teil 3: Lokale Initiativen – Die Agentur Kugelfisch Kommunikation in Essen
Öffentlichkeit muss man lernen
Medienbildung als demokratische Aufgabe – Europa-Vorbild Frankreich
Kant war lowkey deep
Career Offboarding Experience: Abschied von der Komplexität – Glosse
Lohn der Angst
Intro – Nach der Arbeit