engels: Frau Welz-Barth, in der Vergangenheit wurden Altenheime auf der grünen Wiese gebaut. Gibt es neue Strategien in der Versorgung und im Lebensumfeld Älterer?
Prof. Dr. Annette Welz-Barth: In den letzten Jahren wurden die älteren Menschen zunehmend in den Städten gelassen, und sie wurden wieder in die Städte geholt, um ihnen mehr soziale Kontakte zu ermöglichen. Mehrgenerationenwohnprojekte werden geschaffen. Hier tut sich eine Menge, weil die neuen Älteren auch aktiver sein wollen.
Warum war dies bei der Generation davor nicht so?
Ich vermute, dass die Kriegsgeneration mehr hingenommen hat. Aber auch die demographische Entwicklung trägt zu einem Umdenken bei. Es gibt immer mehr Ältere, und so nimmt auch deren Lobby zu.
Manche Politiker wollen die von den Krankenkassen finanzierte medizinische Versorgung älterer Menschen auf das Notwendige beschränken.
Wir müssen ältere Menschen so gut es geht medizinisch versorgen, um Kompetenzen und Ressourcen zu erhalten. Nach einem Sturz oder auch wegen Verschleißerscheinungen der Hüfte wären viele alte Menschen ohne medizinische Versorgung nicht mehr mobil.
Gibt es eine Grenze, an der medizinische Versorgung nicht mehr sinnvoll ist?
Manchmal muss abgewogen werden, ist eine Intensivbehandlung mit Langzeitbeatmung für einen 85jährigen Patienten unter bestimmten Voraussetzungen zu vertreten? Die Diskussion über Patientenverfügungen ist in jüngster Zeit sehr dynamisch geführt worden.
Kann es immer nur um die ökonomische Verwertbarkeit von Menschen gehen?
Alter kann allein schon wegen des erworbenen Erfahrungsschatzes wertvoll sein. Aber Wertschöpfung ist doch auch nicht alles. Dies muss man sich insbesondere immer vor Augen halten, wenn man über Konzepte nachdenkt, wie man mit hochbetagten oder demenzkranken oder stark behinderten Älteren umgehen wird, auch gerade unter dem Aspekt, dass es uns alle einmal betrifft.
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