Rechtswidriger Vorgang oder Musterbeispiel für pingelige Bürokratie? Dunkle Wolken liegen jedenfalls über modernen Solarkollektoren mit einer Leistung von 18 Kilowatt. Die erst im Dezember 2009 installierte Photovoltaik-Anlage mit rund 100 Platten auf dem Dach des Gemeindezentrums der Evangelischen Kirchengemeinde in Wuppertal-Vohwinkel wird zum juristischen Streitfall. Weil die zuständige Behörde von der baulichen Maßnahme auf dem denkmalgeschützten Haus mit seiner markanten rotbraunen Backsteinfassade im Vorfeld nicht ordnungsgemäß unterrichtet worden war, will die Stadt die umweltfreundliche und energiesparende Technik wieder entfernen lassen.
Dagegen weist die für rund 8.900 „Schäfchen“ verantwortliche Kirchenleitung seit Monaten mit Engelszungen daraufhin, dass die knapp 62.000 Euro (davon 11.000 Euro staatliche Zuschüsse) teure Investition längst erfolgreich in Betrieb genommen wurde – und von Autofahrern oder Fußgängern auf der angrenzenden Gräfrather Straße kaum einsehbar ist. Für den naturgemäß bibelfesten Pfarrer Frank Beyer ist die derzeit noch starre Haltung der Stadt nicht nachvollziehbar: „Sicherlich haben wir leider nicht daran gedacht, die Untere Denkmalbehörde in unser Vorhaben einzubeziehen und uns über diesen Weg die offizielle Genehmigung einzuholen. Aber dieses ärgerliche Versäumnis kann uns doch nicht ewig vorgehalten werden.“
„Wir werden gegen diese Ordnungsverfügung vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf klagen“
Deshalb setzt sich die Kirche gegen ein mittlerweile angedrohtes Zwangsgeld in Höhe von 3.000 Euro mit allen irdischen Mitteln zur Wehr. „Wir haben hier einen ökologisch wie ökonomisch richtungsweisenden Schritt in die Zukunft vollzogen. Jetzt müssen die Gerichte entscheiden. Wir werden gegen diese Ordnungsverfügung vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf klagen“, betont Pfarrer Bayer. Seit dem „Vohwinkel-Tag“ am 25. September läuft mittlerweile eine große Unterschriftenaktion in der Stadtteilgemeinde. Die erhoffte große Resonanz auf die ausgelegten Listen soll das Wuppertaler Baudezernat doch noch dazu bewegen, dieser gut gemeinten Initiative ihren verspäteten Segen zu spenden. Dass eine nachträgliche Genehmigung für die im Grunde lobenswerte Idee ausgesprochen wird, natürliche Sonnenenergie in Strom zu verwandeln, der übrigens komplett in das Netz der Wuppertaler Stadtwerke eingespeist wird, bleibt aber wohl nur ein frommer Wunsch. Da der ihr nach einem Ortstermin unterbreitete Vorschlag, gemeinsam einen alternativen Standort zu suchen, nicht gerade auf christliche Gegenliebe gestoßen war, reagieren wiederum die Stadtväter auf die gesamte Thematik sehr allergisch. Dass der hintere Teil der Anlage auf dem Anbau des Gemeindehauses längst „grünes Licht“ von der Behörde erhalten hat, empfindet Frank Beyer nur als schwachen Trost: „Es bleibt trotzdem verwunderlich, wie mit unserem Anliegen umgegangen wird, Energie regenerativ zu gewinnen.“
www.ev-kirche-vohwinkel.de
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