Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18

12.506 Beiträge zu
3.751 Filmen im Forum

Foto: XR Wuppertal

Aufmerksamkeit als Waffe

25. Oktober 2022

Wuppertals Ortsgruppe von Extinction Rebellion setzte auf starke Bilder – Teil 1: Lokale Initiativen

Das beschleunigte Artensterben ist so fatal wie die Erderwärmung: Für die aus Großbritannien stammende Klimaschutzbewegung Extinction Rebellion (XR) schien das immer klar: beides galt es zu bekämpfen. „Soweit ich weiß, hat alles mit dem Artensterben begonnen“, erinnert sich Wolfram Jörges von XR Wuppertal. „Die Vorstellung, dass deine Lebensgrundlage zerstört wird, ist auch unmöglich zu ertragen.“ Im August 2019 kam es zur Gründung der hiesigen Gruppe im Elberfelder Café Ada, bis heute trifft man sich wöchentlich im Swane-Café im Luisenviertel.

Wie die Gesamtbewegung hatte auch Wuppertals Abteilung von Anfang an das Konzept im Blick, auf Aufmerksamkeit zu setzen. Im Ada wurde den damals noch locker Versammelten der Ansatz vermittelt: Klimaschutz braucht Lenkung, doch die Politik handelt nur auf Druck. Fazit: Die Menschen müssen diesen Druck erzeugen.

Trauerzug für bedrohte Arten

Leidenschaft und Emotion sind integrale Antriebe des Klimakampfes, wie XR ihn versteht; die hiesige Gruppe macht da keine Ausnahme. Ein kühl-strategisches Verhältnis hat die Bewegung indes zur Wahl ihrer Mittel. Gewalt lehnt man ab, ja, aber nicht zuletzt deshalb, weil sie dem Ruf der Bewegung und dem Anliegen schadet. Wer die hiesige Sektion verfolgt, weiß: Daraus spricht Entschlossenheit.

Starke Bilder gelangen XR Wuppertal zum Artensterben auch friedlich. Im Frühjahr 2021 zog zweimal eine Art Trauerzug über die Nordbahntrasse: Schwarz gekleidete Aktivisten trugen einen Sarg und beklagten auf Schildern die Gefahr für bedrohte Arten – und den Tod schon ausgestorbener, wie des Chinesischen Flussdelfins oder Spix-Aras. Auf der stark frequentierten Trasse in Höhe der Utopiastadt bis zum Loher Bahnhof war dem Marsch einige Wahrnehmung sicher, die man auch zum Unterschriften-Sammeln für die „Volksinitiative Artenschutz NRW“ nutzte.

Im Juli 2020 gab es in Rheda-Wiedenbrück Demos mehrerer Organisationen vor dem Gelände des Fleischbetriebs Tönnies. Vierzehn Aktivisten, auch von XR Wuppertal, blockierten dabei die Zufahrtsstraße – und landeten dafür 2022 vor Gericht. Zwar wurden die Verfahren inzwischen teils eingestellt, doch Aktivisten äußern den Eindruck: Einmal als rebellisch aufgefallen, habe die Staatsmacht sie im Blick.

Militanz und Staatsgewalt

Nicht nur hier: Schlägt etwa, sozusagen, das Imperium zurück? Wolfram Jörges ist generell überzeugt, dass Entscheidungsträger ihre Gegenmaßnahmen „schon vorher überlegt“ haben. „Beamte sind verunsichert. Sie versuchen krampfhaft, Regeln zu folgen, finden sich aber in ihrem eigenen Formulierungs- und Deutungsdickicht nicht zurecht. Da heißt der Tatvorwurf dann auch schon mal ‚Verbotene Organisation einer Versammlung‘."

Währenddessen tickt die Uhr weiter, verschärft sich die ökologische Krise. Verschieben sich denn die Grenzen des Legitimen, je dringlicher politische Aktion wird? „Interessante Frage“, antwortet Jörges: „Wenn die Menschheit vor die Wand fährt, was ist dann Legitimität; gelten die Regeln, die diese Situation erst geschaffen haben? Das kann es ja wohl nicht sein.“ Und weiter: „Wir wollen niemandem schaden – wir wollen Aufmerksamkeit.“

 

UNARTIG - Aktiv im Thema

artenvielfalt-nrw.de | Der Netzauftritt der Volksinitiative Artenvielfalt zeichnet auch nach, wie die Politik die Forderungen nach mehr Artenschutz abgelehnt hat.
scientistrebellion.com/ | Der internationale Zusammenschluss von Wissenschaftler und Akademikern fordert von der Politik konsequenten Klima- und Artenschutz.
deutschlandfunkkultur.de/ngos-unter-legitimationsdruck-die-guten-zu-sein-reicht-100.html | Der ausführliche Beitrag diskutiert Kritikpunkte, die gegen NGOs vorgebracht werden.

Fragen der Zeit: Wie wollen wir leben?
Schreiben Sie uns unter meinung@engels-kultur.de

Martin Hagemeyer

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Der Räuber Hotzenplotz

Lesen Sie dazu auch:

Feilschen statt regieren
Intro 11/22 – Unartig

Grün allein macht keinen Klimaschutz
Zwischen Wirtschafts-Lobbyismus und Klima-Aktivisten: Grüne Politik vor der Zerreißprobe – Teil 1: Leitartikel

„Dem Umweltministerium ein Vetorecht geben“
Meeresbiologe und Greenpeace-Aktivist Thilo Maack über Umweltschutzorganisationen – Teil 1: Interview

Macht’s gut und danke für all den Fisch
Behördlicher Artenschutz gegen wissenschaftliche Fakten – Teil 2: Leitartikel

„Wir leisten uns falsche Repräsentanten“
Evolutionsbiologe Matthias Glaubrecht über mangelhaften Naturschutz – Teil 2: Interview

Nachschub für die Wildnis
Artenschutz im Kölner Zoo – Teil 2: Lokale Initiativen

Just in my Backyard!
Naturbewahrung in der Wohlstandswelt – Teil 3: Leitartikel

„Die wohl größte Krise, vor der wir stehen“
Ökologe Klement Tockner über die Bedeutung der Artenvielfalt – Teil 3: Interview

Vielfalt am Tümpel
Die „Ökozelle“ des Naturschutz Hattingen – Teil 3: Lokale Initiativen

Neptungras for Future
Schutz von Seegraswiesen im Mittelmeer – Europa-Vorbild: Kroatien

Der unglaubliche Alk
Von einem Vogel, den es nie wieder geben wird – Glosse

Lokale Initiativen

Hier erscheint die Aufforderung!