Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
25 26 27 28 29 30 31
1 2 3 4 5 6 7

12.660 Beiträge zu
3.876 Filmen im Forum

Thorsten Fassbender und Annika Hasler sind zwei der Köpfe hinter der KVB-Kampagne
Foto: Marina Wudy

Entspannt unterwegs

28. Mai 2026

Teil 2: Lokale Initiativen – Köln: KVB-Kampagne für mehr Freundlichkeit

59 Prozent der Menschen in Deutschland finden laut einer Yougov-Umfrage vom März 2026 den Umgangston im öffentlichen Raum unfreundlicher als noch vor fünf Jahren. Ein Ort, der laut Umfrage großes Potenzial für raue Begegnungen birgt: der Straßenverkehr. In Köln gibt es seit zwei Jahren einen Gegentrend dazu: Mit der „Seid lieb zueinander“-Kampagne wirbt die Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) für Respekt und Freundlichkeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Kein erhobener Zeigefinger

Die Idee zur Kampagne hatte Thorsten Fassbender, Leiter der KVB-Kundenkommunikation, Anfang 2024. Damals hatte die KVB mit der Kölner Band Cat Ballou Kontakt wegen ihres 25-jährigen Bühnenjubiläums. „Wir hatten in unserer Kommunikationsstrategie schon länger ‚Respekt und Wertschätzung‘ im Fokus, aber bis dahin nicht den richtigen Ansatz gefunden, wie wir das am besten nach außen tragen können. Das Wort ‚Respekt‘ hört sich schnell hart und nach erhobenem Zeigefinger an“, sagt Fassbender. Im Kontakt mit Cat Ballou habe er sich erinnert, dass die Band ihre Fans nach Konzerten mit „Kommt gut nach Hause, seid lieb zueinander“ verabschiedet. „Da dachte ich, warum sagen wir das nicht auch den Menschen in unseren Bussen und Bahnen?“ Die Idee zur Kampagne war geboren – und die Mitglieder von Cat Ballou zur Zusammenarbeit bereit.„Die Jungs waren direkt Feuer und Flamme“, sagt Fassbender, „sie konnten sich mit dem Satz identifizieren, weil es ihrer ist“.

Mit eigenem Personal werben 

Neben den Mitgliedern von Cat Ballou setzte das KVB-Team auf Personal aus den eigenen Reihen, um der Kampagne ein Gesicht zu verleihen. „Wir wollten keine Models, sondern Menschen aus dem Team“, sagt Annika Hasler, die als Teil des Marketing-Teams an der Kampagne mitgewirkt hat. Wer dazu bereit war, konnte sich freiwillig melden. „Wir haben dann überlegt, welche Sprüche passend sind und was wir sagen wollen“, so Hasler. Herausgekommen sind „Respekt sollte nie auf der Strecke bleiben“ oder „Ein ‚Danke‘ kostet nichts, ist aber unbezahlbar“.

Gesellschaftliches Problem

Anlass für die Kampagne war auch, dass es immer wieder zu Übergriffen gegen KVB-Personal komme. „Damit umzugehen, ist jeden Tag eine große Herausforderung“, sagt Fassbender. Vorallem verbale Übergriffe kämen regelmäßig vor. Fassbender sieht den rauen Umgangston nicht nur als Problem in den öffentlichen Verkehrsmitteln. „So etwas passiert Polizei, Rettungskräften,Pfleger:innen – allen, die im Fokus der Öffentlichkeit arbeiten“, sagt er. Auch in den sozialen Medien sei das ein Problem. Mit seinem Team fährt Fassbender online deshalb eine klare Linie: „Für Hasskommentare ist bei uns kein Platz.“ Daher auch der Ansatz der Kampagne: „Wer kann schon böse sein, wenn es heißt, seid lieb zueinander“, sagt Fassbender. „Wir wollten die Leute daran erinnern, sich mal wieder in den Arm zu nehmen und zu sehen, dass die Welt eigentlich ganz schön ist.“

Weniger Übergriffe

Tatsächlich sind Übergriffe auf KVB-Personal bei Fahrkartenkontrollen im Jahr 2025 um 33Prozent zurückgegangen. Fassbender betont, dass es schwierig sei, einen direkten Zusammenhang zwischen der Kampagne und dieser Zahl herzustellen. Dennoch sei es einpositiver Trend. Und: „Wir haben mit der Kampagne bisher super viele Menschen erreicht und dafür gesorgt, dass Köln über diese Themen diskutiert. Das ist richtig schön“, zieht Fassbender Fazit. Ein Ende der Kampagne ist daher vorerst nicht in Sicht.

Marina Wudy

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Neue Kinofilme

Solo Mio

Lesen Sie dazu auch:

Deckmantel Gefühl
Intro – Guter Umgang

Alles Lüge!
Teil 1: Leitartikel – Duz-Kultur und falsches Wir-Gefühl verschleiern Interessenkonflikte auf der Arbeit

„Das Gefühl, dass hier Nähe entsteht“
Teil 1: Interview – Psychologin Lara Luisa Eder über persönlichen Umgang auf der Arbeit

Nicht sprachlos in den Ruhestand
Teil 1: Lokale Initiativen – Das Fachgebiet Arbeitswissenschaft an der Uni Wuppertal

Benimm dich!
Teil 2: Leitartikel – Eine Gesellschaft kann nur frei sein, wenn sich ihre Mitglieder an Regeln halten

„Heute sind die Menschen eher bei sich“
Teil 2: Interview – Kommunikationspsychologin Christine Flaßbeck über Sprache im Wandel

Dubidu
Teil 3: Leitartikel – Reiz und Risiken niederschwelliger Verständigung

„Ein Stammtisch hat nicht nur negative Seiten“
Teil 3: Interview – Medienwissenschaftlerin Paula Nitschke über politische Influencer:innen

Gut erzählte Wahrheit
Teil 3: Lokale Initiativen – Die Agentur Kugelfisch Kommunikation in Essen

Öffentlichkeit muss man lernen
Medienbildung als demokratische Aufgabe – Europa-Vorbild Frankreich

Kant war lowkey deep
Career Offboarding Experience: Abschied von der Komplexität – Glosse

Lokale Initiativen