Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18

12.506 Beiträge zu
3.751 Filmen im Forum

Reinhard Mucha, Ohne Titel(Bonn), 1983, Herbert Foundation, Ghent, © muchaArchiv / VG Bild-Kunst Bonn, 2022, Ausstellungsansicht Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Foto: Achim Kukulies

Zeitgeschichte als Skulptur

07. November 2022

Reinhard Mucha in der Kunstsammlung NRW – Kunst in NRW 11/22

Reinhard Mucha ist ein Phänomen. Er macht sich seit Jahrzehnten rar, als Person ebenso wie mit Ausstellungen. Aber so eindrucksvoll wie seine Ausstellungen vor allem in den 1980er und 1990er Jahren waren, ist er bis heute in Erinnerung geblieben. Das ist besonders im K21 in Düsseldorf der Fall, wo seine begehbare monumentale Skulptur „Das Deutschlandgerät“ permanent ausgestellt ist: Mit ihr sorgte er 1990 im Deutschen Pavillon auf der Biennale Venedig für Furore. Mucha (*1950 in Düsseldorf) hat an der Düsseldorfer Kunstakademie in der Klasse von Klaus Rinke studiert. Sein Werk fand schon früh Beachtung; mit ihm gehörte er zu einer Gruppe junger Bildhauer, die architektonische Motive mit postmodernen Zitaten verbanden, aber eben doch Skulpturen schufen. Reinhard Mucha setzte Mobiliar präzise zu- und übereinander und entwickelte Strukturen voller Anspielungen.

Die Ausstellung, die nun in beiden Häusern der Kunstsammlung NRW zu sehen ist, setzt hier ein und leitet nahtlos zu den darauf folgenden Installationen über. Irgendwann fällt beim Rundgang auf, dass Mucha seine kapitalen Werke auf die Ausstellungsräume hin überarbeitet hat, aber nur wenig auf die heutige Zeit weist. Ohnehin geht er, auch in Fotoserien und Leuchtkästen, minutiös von der eigenen Biographie aus, dem Aufwachsen in den Wirtschaftswunderjahren, der Bedeutung der Deutschen Bahn mit ihrem Schienennetz. Und dann sind wir mitten in der Zeitgeschichte der Bundesrepublik Deutschland mit ihren Lasten des Dritten Reiches und mit ihren Grenzen.

Er verwendet Regal- und Archivschränke, stattet Wandvitrinen mit Filz aus und schafft komplex funktionale Räume. Mucha spielt meisterhaft mit der Atmosphäre. Seine Werke sind hochkonzentriert, dann wieder spielerisch; sie sind prächtig, großzügig oder karg und entwickeln allmählich einen spröden Charme. Sie sind reich an Kommentaren auf ihre Zeitgeschichte, das urbane Leben und das zeitgleiche Kunstgeschehen. Die Gelegenheit, diesen wichtigen Künstler mit einem solchen, von ihm selbst eingerichteten Überblick zu erleben, kommt so bald kaum wieder.

Der Mucha – Ein Anfangsverdacht | bis 22.1.23 | K20 und K21 Kunstsammlung NRW, Düsseldorf | 0211 838 12 04

Thomas Hirsch

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Der Räuber Hotzenplotz

Lesen Sie dazu auch:

Himmel und Erde
„Lygia Pape – The Skin of All“ in Düsseldorf – Kunst in NRW 05/22

Abstraktion der Geschwindigkeit
Georges Braque's Kubismus in Düsseldorf – Kunst in NRW 11/21

Ein neuer Blick auf die Kunst
Eine „ex-zentrische Moderne“ in Düsseldorf – Kunst in NRW 02/19

Zwei Farben
Carmen Herrera in Düsseldorf – Kunst in NRW 03/18

Aus der Ferne sehr nah
Andreas Gursky in Düsseldorf – Kunst in NRW 09/16

Ganz still
Agnes Martin in Düsseldorf – Kunst in NRW 02/16

Bilder mit Sprache
Joan Miró in Düsseldorf – Kunst in NRW 08/15

Meilensteine der Avantgarde
Günther Uecker in Düsseldorf – Kunst in NRW 02/15

Kunst.

Hier erscheint die Aufforderung!