Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23

12.413 Beiträge zu
3.691 Filmen im Forum

Regisseur Thomas Braus
Foto: Uwe Schinkel

Der Vergessenheit entrissen

25. September 2019

Kammeroper „Gestohlenes Leben“ – Bühne 10/19

Jüdische Komponistinnen und Komponisten wie Pavel Haas, Maria Herz und Hans Krása wurden in den 1930ern verfemt und verfolgt, ihre Werke verboten. Alles was unter dem Sammelbegriff „undeutscher“ Musik firmierte sollte ungehört bleiben, ein kultureller Kahlschlag analog zur Verbrennung sogenannter entarteter bildender Kunst. Das Projekt „EchoSpore“ der Hochschule für Musik und Tanz Köln gilt der Wiederentdeckung von Werken verfemter, entrechteter, verfolgter, ins Exil gezwungener, ghettoisierter, ins Lager gesperrter und ermordeter Komponisten und will sie zurück in die Konzertsäle holen. EchoSpore ist auch eine Internet-Plattform, auf der Audio- und Videodateien, biografisch-historische Texte und Quellen, Links zu Partituren und Aufführungen eingestellt werden.

Im Oktober wird die Kammeroper „Gestohlenes Leben“ des kürzlich verstorbenen zeitgenössischen Komponisten Helmut Bieler an fünf Orten in Nordrhein-Westfalen zu hören sein. Sie entstand als Auftragswerk des Pfalztheaters Kaiserslautern und erzählt die fiktive Geschichte von Leopold Stein, der als junger Mann in das jüdische Mädchen Greta verliebt war, aber nicht den Mut aufbrachte, mit ihr zu fliehen, bevor im Oktober 1940 die Gauleiter Robert Wagner und Joseph Bürckel rund 6.500 Männer, Frauen und Kinder aus der Pfalz, Baden und dem Saarland in das am Fuße der Pyrenäen im unbesetzten Frankreich gelegene Lager Gurs deportieren ließen, darunter Greta, die umkommt. Über zwanzig Jahren danach wird Leopold durch eine Radiosendung mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

Das Libretto der Kammeroper, die 2010 ihre Uraufführung hatte, stammt von Susanne Bieler, der Tochter des Komponisten. Studierende des Fachbereichs Gesang und der Instrumentalklassen der Hochschule für Musik und Tanz Köln führen die Kammeroper erneut auf. Das szenische Arrangement liegt dabei in den Händen des Wuppertaler Schauspielintendanten Thomas Braus, die musikalische Leitung hat Professor Werner Dickel, einst langjähriges Mitglied des Ensemble Modern. Die oft kostenlosen Aufführungen werden ergänzt durch Lieder von Ernst Bachrich und Felix Wolfes.

„Gestohlenes Leben“ | Di 8.10. 19.30 Uhr | Konzertsaal Standort Wuppertal, HfMT Köln | Eintritt frei

Peter Ortmann

Neue Kinofilme

I Still Believe

Lesen Sie dazu auch:

Mein Ende gehört mir
„Orpheus und Eurydike“ als Kommentar zur Sterbehilfe – Oper in NRW 04/20

Erster Mord der Weltgeschichte
„Kain und Abel“ in Essen – Oper in NRW 03/20

Holland-Trump trifft Spaß-Guerilla
„Zar und Zimmermann“ in Hagen – Oper in NRW 03/20

Land des verschwindenden Lächelns
Sabine Hartmannshenn krempelt Lehár-Operette in Essen um – Oper in NRW 02/20

Jesus als Backstreet-Boy
„Jesus Christ Superstar“ in Wuppertal – Oper in NRW 02/20

Wozu Kunst?
Hagen begeht Bauhaus-Jubiläum mit Oper „Cardillac“ – Oper in NRW 01/20

Opernkrimi à la Hitchcock
„Die Sache Makropulos“ in Gelsenkirchen – Oper in NRW 01/20

Bühne.