Wuppertal. Beruflich reizen ihn zwar anspruchsvolle Sanierungen, doch für sein von unfassbaren Schulden geplagtes Herkunftsland könnte Lazaros Amperidis am Reißbrett derzeit nur bedingt eine perfekte Lösung entwerfen. „Das Gerede vom stolzen Volk passt einfach nicht mehr. Die leider übliche Korruption gerade im Großraum Athen hat die Kuh, die nicht auf die Weide durfte, so lange gemolken, dass sie nun stirbt“, sagt der Diplom-Architekt griechischer Abstammung, der in Wuppertal geboren wurde und dort aufgewachsen ist. Seine Einschätzung ist unmissverständlich: „Deutschland investiert in die Zukunft – Griechenland hat es nie getan.“ Fern der sonnenverwöhnten Heimat seiner 1965 eingewanderten Eltern blickt der 44Jährige auf eine bislang erfolgreiche Karriere zurück. Nach Bauzeichnerlehre und Studium gehörte Amperidis unter anderem den verantwortlichen Abteilungen für die Masterpläne zur Neuausrichtung der beiden Flughäfen Düsseldorf sowie Mönchengladbach an. Dazu kommen als Inhaber eines eigenen Büros im Stadtteil Barmen freiberufliche Projektsteuerungen und externe Beratungsleistungen im kommunalen Immobilienmanagement.
„Etwas Tourismus, etwas Tomaten, einige Gurken“
Für die trotz großzügiger Dauerkredite und sprudelnder EU-Gelder nicht verhinderte Hellas-Pleite kann der überzeugte Europäer wenig Verständnis aufbringen: „Die Griechen hatten über Jahrzehnte wirklich viele Gelegenheiten, sich in Europa zu beweisen. Heute muss man sagen, dass dieses Land in seiner Entwicklung stehengeblieben ist – selbst Spanien, Portugal oder Italien haben dagegen Fortschritte gemacht.“ Vor allem bei seinen Urlaubsreisen ans südliche Mittelmehr gerät Amperidis regelmäßig in Erstaunen: „Als in Deutschland lebender Bürger habe ich ein völlig anderes Empfinden von Gemeinwohl und sozialem Miteinander. Deshalb bekommen viele Nicht-Einheimische wie ich, die im Ausland leben, bei der Nachrichtenlage aus dem Parlament einen dicken Hals.“
Der erfahrene Architekt kann sich auch ein anderes Phänomen nicht erklären: „Jeden Sommer fahren die Griechen aus Deutschland – und generell Griechen aus der Diaspora – über Wochen nach Hause und stärken dort mit ungezählten Millionen Euro die Wirtschaft. Dennoch sind nahezu sämtliche Großprojekte von Autobahnen bis zu öffentlichen Einrichtungen fremdfinanziert.“ Eine zeitnahe Veränderung hält Amperidis kaum für möglich: „Etwas Tourismus, etwas Tomaten, einige Gurken – viel mehr produziert Griechenland im Grunde nicht. Und die berühmten Reedereien scheffeln ihr Geld lieber ungestört an ausländischen Standorten.“ Die Sonne und das Meer als zwei innovative Produkte, die schon immer im Land der Götter existieren, müssten aus seiner Sicht als Schlüssel für eine benötigte Trendwende dienen. Zumindest in Sachen Kultur herrscht wenig Nachholbedarf: Auch die Folklore-Gruppe der Griechischen Gemeinde Wuppertal e.V. gilt als Paradebeispiel für gelungene Traditionspflege.
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