Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23

12.183 Beiträge zu
3.593 Filmen im Forum

„Die letzten 5 Jahre“
Foto: © Musical Sensations

Zwei Spielarten des Broadways

22. Februar 2018

„The Last Five Years“-Tournee und „Spamalot“ in Krefeld – Musical in NRW 03/18

Stellen Sie sich vor, in ihrer Stadt läuft ein Broadway-Hit – und kaum einer geht hin. Diese traurige Erfahrung musste die Kölner Volksbühne machen, an der Jason Robert Browns Kammer-Musical „The Last Five Years“ gastierte. Die geniale Idee, die Geschichte vom Scheitern einer Liebe auf zwei gegenläufigen Zeitebenen zu erzählen, korrespondierte wunderbar mit der Bühnenbildidee der Regisseurin Franziska Hetzel: Auf eine schwarze Wand malen die beiden Protagonisten eine Uhr, deren Ziffern sie nach und nach hinzufügen. Dann erzählt die erfolglose Schauspielerin Cathy vom Ende ihrer Beziehung („Ich steh weinend da“), während der aufstrebende Autor Jamie sie vom ersten Rendezvous her aufrollt („Meine Göttin“).

„Erzählen“ heißt hier allerdings singen. Denn Browns Musical ist durchkomponiert wie eine Oper. In 14 Songs, bei denen Cathy und Jamie sich nur bei der Hochzeit auf der gleichen Zeitebene treffen und zu zwei Duetten vereinen, erschaffen sie eine mal ausnahmsweise nicht glamouröse Musical-Welt. Dabei überzeugt Nadja Scheiwiller mit ihrem natürlichen Spiel und ihrer ausdrucksstarken Stimme. Und als sie bei der Erinnerung an eine Audition („Ich komm voran“) einen flotten Stepp hinlegt, köchelt es im Saal. Auch Florian Hinxlage wirkt sehr authentisch, trifft präzise sowohl komödiantische („Das Lied von Schmuel“) wie auch balladeske Töne („Keiner muss das erfahr´n“). Dazu macht Stefan Wurz am Flügel jeden der kraftvollen Songs zu einem virtuosen, kleinen Kunstwerk, das den ungewöhnlichen Musicalabend noch veredelt. „Die letzten 5 Jahre“ geht nun auf Tournee durch die Republik. Also aufgepasst, ob es in Ihrer Nähe gastiert – und unbedingt hingehen!

Weniger schwer an den Musical-Fan zu bringen ist sicherlich „Monty Python’s Spamalot“, das die britische Comedy-Truppe nach ihrem Kultfilm „Die Ritter der Kokosnuss“ entwickelt hat: eine schräge-schwarzhumorige Persiflage auf die König Artus-Sage und das Genre Musical. Das Theater Krefeld hat aus der (finanziellen) Not eine Tugend gemacht und Udo Hesse ein Bühnenbild entwerfen lassen, das auf Minimalismus statt auf Pomp setzt. Und so müssen zwei Klappleitern als Burgtürme herhalten, von denen die Bewacher verächtlich auf König Artus (wunderbar stoisch: Adrian Linke) und seinen Knappen Patsy (urkomisch: Henning Kallweit) furzen, der mit Kokosnuss-Schalen das Getrappel der nicht vorhandenen Pferde imitiert. Ein nicht gerade kindertauglicher Musical-Spass, der von skurril-surrealen Einfällen lebt und dessen eingängige Melodien zwar nicht über Broadway-Routine herauskommen, aber frech bei dessen Top-Komponisten wildern. Das Wagnis, die vom „ernsten“ Schauspiel kommende Christine Hofer mit ihrer ersten Musical-Regie zu beauftragen, hat sich ausgezahlt. Sie verbindet präzises Gag-Timing mit straffer Schauspieler-Führung, sodass selbst aus der Genre-unerfahrenen Esther Keil (als Fee aus dem See) ein Musical-Star wird.

„Die letzten 5 Jahre“ | Tour in Vorbereitung | www.musical-sensations.de

„Monty Python’s Spamalot“ | 11.3., 21.3., 23.3. | Theater Krefeld Mönchengladbach | www.theater-kr-mg.de

Rolf-Ruediger Hamacher

Neue Kinofilme

Mortal Engines: Krieg der Städte

Lesen Sie dazu auch:

Die Türen knallen
„Otello darf nicht platzen“ in Krefeld – Musical in NRW 05/18

Minimalistische Zweckbauten
Krefeld: Ludwig Mies van der Rohe und der moderne Fabrikbau – Kunst in NRW 02/17

Musical-Tickets für den Gabentisch
Sehenswerte Inszenierungen auch für reiselustige (Musical-)Fans – Musical in NRW 12/15

Musical.