Tick, tack, tick, tack. Das vertraute Geräusch klingt in allen Ecken und verbreitet eine heimelige Atmosphäre. Gemeinsam mit ihrem 30-köpfigen Auditorium reist Mitarbeiterin Melanie George quer durch Raum und Zeit, rund 6000 Jahre zurück zu den mit Sonnenuhren experimentierenden Sumerern. Während der einstündigen Führung im Wuppertaler Uhrenmuseum dreht sich nämlich alles um die Zeitmessung.
Melanie George berichtet von den den Tag in zwölf Stunden einteilenden Ägyptern. Von Wasser- und Sanduhren, von den Mechanischen Uhren im frühen Mittelalter, gefolgt von den federgetriebenen Taschenuhren im 16. Jahrhundert und der Pendeluhr, rund 50 Jahre später. „Armbanduhren wurden um 1927 sehr populär“, erklärt Melanie George. Mit leuchtenden Augen erzählt sie von Mercedes Gleitze, die als erste Frau den Ärmelkanal durchschwimmt und gleichzeitig die Armbanduhr popularisiert.
Der Siegeszug des von Hans Willmersdorf gegründeten Imperiums Rolex ist nun nicht mehr zu stoppen. Die batteriebetriebene löst in der Mitte des 20. Jahrhunderts die Mechanische Uhr ab, in den 1980er-Jahren reformiert die Trend-Armbanduhr Swatch, die „gejagt und gesammelt wird“ - so Melanie George - den Uhrmarkt. Und die Funkuhr ist die technische Neuerung, die in den 1990er-Jahren ihren Siegeszug antritt.
Alles hat seine Zeit
Die Sammlung im Wuppertaler Uhrenmuseum wurde 1958 von Georg Abler begründet. Mit rund 2.000 Exponaten aus 5.000 Jahren Zeitgeschichte ist sie eine der Exponiertesten. An der Wand hängt eine Schautafel: „Prominenter Besuch – 50 Jahre Wuppertaler Uhrenmuseum.“ Zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen den Gründer mit Prominenten: Bundestagspräsident Kai Uwe von Hassel, Konrad Adenauer, gar Past Johannes Paul II sind hier abgebildet. „Ich kenne die Familie noch. Auch den alten Abeler“, sagt ein weißhaariger Mann versonnen. Alles hat eben seine Zeit.
Auch die Friedrich-Engels-Allee. Der nach Wuppertals wohl brillantesten Gesellschaftstheoretiker benannten Weg wird nun eine eigene Ausstellung gewidmet, in diesen Tagen feiert die zu den markantesten und geschichtsträchtigen Straßen der Stadt gehörende Allee ihr 200-jähriges Bestehen. Reichlich Illustrationen und Fotografien verdeutlichen die Historie der zunächst noch Westfälische Straße heißenden Heer- und Prachtstraße. Unter anderem auch jene von Wuppertals 1987 aus Kostengründen stillgelegten Straßenbahn.
„Die Friedrich-Engels-Allee repräsentiert das Stadtbild wie sonst keine Straße. Gründerzeitbauten wechseln sich mit modernerem Wohnraum und Gewerbefläche ab“, findet Helge Lindh. Mit der Einschätzung liegt der Besucher richtig: Mit dem Zusammenwachsen der kreisfreien Städte Elberfeld und Barmen entstehen prächtige Bürgerhäuser neben Färbereien, Textil- und Maschinenfabriken. Banken, Kirchen, Hotels, Gesellschaftshäuser, Theater und das Polizeipräsidium kommen hinzu.
Wuppertaler Tradition
Es ist die erste Station, die Helge Lindh an diesem Tag im Rahmen von Wuppertal 24 Stunden live besucht – und es soll aus Zeitmangel die Letzte sein. Er ist einer von rund 45.000 Besuchern, die an diesem September-Wochenende andere Seiten ihrer Stadt entdecken. In den vergangen Jahren ist Helge Lindh deutlich aktiver, lobt deshalb auch das Konzept: „Ich finde es spannend, dass man einmal im Jahr in Unternehmen und Kultureinrichtungen schnuppern kann. Das Event gehört schon zur Wuppertaler Tradition.“
Am Schloss Lüntenbeck weht den Besuchern eine frische Brise um die Nase. Der Blick zum Himmel lässt nichts Gutes verheißen, zwischendurch tropft es vereinzelt. Simon Geiß besucht mit einem Freund das Anwesen. Nach dem Tiefbunker unter der Bushaltestelle am Döppersberg ist es der zweite Stopp. „Ich fand das sehr spannend. Schließlich ist es der einzige renovierte Wuppertaler Bunker“, erläutert Simon Geiß. Außerdem sei auch ein Zeitzeuge da gewesen, der sich zu Wort meldete.
Die Zwei schließen sich der einstündigen Führung an. Gemeinsam lauschen sie der mit schwarzen Stiefeln, Zylinder und Frack als Edelmann verkleideten Geschäftsführerin des Hauses Antonia Dinnebier. Sie erzählt allerlei Wissenswertes über die wechselvolle Geschichte des Standorts. Bis heute ist die kaum veränderte Anlage eines der ältesten Gebäude der Stadt.
Geniale Aussicht, wenn alles erleuchtet ist
Einen größeren Einschnitt markiert der Kauf des Anwesens durch Johannes Plücker, der das Schloss vom Freiherrn von (dem) Bottlenberg erwirbt. „Dieser Kauf war auch eine Prestigefrage“, erläutert Antonia Dinnebier. Außerdem handele es sich um eine gute Geldanlage. Das Schloss blieb noch bis zum Jahr 1889 im Besitz der Familie und geht schließlich an Gustav Römer über. Im 20. Jahrhundert kauft die Stadt Wuppertal das Gut. Heute nutzen mehrere Dienstleister und ein Restaurant die Räumlichkeiten, in denen einst adelige Herrschaften wandelten.
„Die Führung hat mir sehr gut gefallen“, erläutert Simon Geiß. Unbedingt will er in das Sparkassen Hochhaus, um einmal Wuppertal bei Nacht zu sehen. Schon jetzt freut er sich auf die „geniale Aussicht, wenn alles erleuchtet ist.“ Simon Geiß ist begeistert: „Es ist 24 Stunden lang Leben in der Stadt. Wirklich eine super Veranstaltung. Ich bin schon jetzt auf das kommende Jahr gespannt.“
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