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Bühnen-Intendant Thomas Braus
Foto: Uwe-Schinkel

Die Macht der Bilder

28. September 2017

Kopfkino, Inszenierung und Lesung – Prolog 10/17

Schön ist, wie sich manche Dinge kurz und knapp auf den Punkt bringen lassen. So beschreibt sich Offstream als eine Initiative, die versucht, „das Dickicht der in Wuppertal ungezeigten Filme zu lichten und die Programmlücke zu schließen“. Zusammen mit der Begegnungsstätte Alte Synagoge und der Bergischen Uni wird dazu jetzt Volker Kutscher eingeladen. Der Mann ist Autor und liest aus seinem historischen Krimi „Der nasse Fisch“. Der führt zurück ins Berlin der 20er Jahre, zu Charleston, Drogen und feierfreudigen Menschen. Zugleich beginnt mit der Weltwirtschaftskrise der Aufstieg der Nationalsozialisten. Was Kutscher verfasste und woraus er Passagen vortragen wird, haben Tom Tykwer, Achim von Borries und Hendril Handloegten verfilmt. Ausschnitte dieser fürs Fernsehen produzierten Serie, die nun immer freitags, erstmals am 13. um 20.15 Uhr, auf Sky zu sehen ist – ins öffentlich-rechtlichen Fernsehen kommt „Babylon Berlin“ erst Ende 2018 –, gibt es anlässlich der Lesung an der Alten Feuerwache als Appetithappen zu sehen. Warum der Blick zurück wichtig ist? Wegen der Parallelität von Ereignissen. 1929 habe auch keiner vorausgesagt, dass Nationalsozialisten die Macht übernähmen und welche Konsequenzen das habe.

Keinen Blick zurück möchte Neu-Intendant Thomas Braus werfen. „Wir (...) danken für Ihre Treue und laden Sie herzlich zu einem gemeinsamen Neubeginn ein“, schreibt er ins Grußwort von „alles Theater“. Mit seinem kleinen Ensemble und in Zusammenarbeit mit anderen will er das Haus öffnen, in Kneipen, Rathäusern und an vollkommen unerwarteten Spielstätten Theater zeigen. Der mutige Schritt nach vorn wird aber nur gelingen, wenn das Publikum sich darauf einlässt und den Ideen des Intendanten eine Chance gibt. Vor allem jüngere Zuschauer sind gefragt, wenn weniger breitenwirksam-gefällige Inszenierungen auf die Bühne kommen.

Wie Thomas Melles Stück „Bilder von uns“, das Missbrauch thematisiert. 2016 uraufgeführt erzählt Melle, die Geschichte eines gewissen Jesko Drescher. Der ist jung und erfolgreich, ein vom Schicksal begünstigter, wie es poetisch heißt. Dann landet ein Foto auf seinem Mobilfunktelefon, das ihn als fast nackten Jungen vor der Pubertät zeigt. Eine Aufnahme aus seiner Schulzeit, mehr als zwanzig Jahre ist das her. Die Begegnung mit dem Verdrängten bringt ihn ins Schleudern, ein Psychokrimi beginnt. Was trifft ihn da, wer steckt dahinter? Im Buch werden Personen und Positionen neben- und gegeneinander geführt und in vielen Szenen, die zwischen Dialog, Monolog und Kommentar, Aktion und Reflexion wechseln, verschiedene Perspektiven beleuchten und so immer in Bewegung bleiben, nimmt die Geschichte ihren zunächst ziemlich verwirrenden Lauf. Wer ist Mitwisser, wer Unterlasser, welche Konflikte tragen Hauptperson und Nebendarsteller bei diesem Kampf um die eigene sowie die kollektive Biografie aus? Wie weit Aufklärung gehen müsste oder wie hilfreich Verdrängung sein kann, auch diese Ambivalenz wird thematisiert. Lösungen im Sinne von „richtig“ oder „falsch“ gibt es nicht.

Autorenlesung „Der nasse Fisch“ | Di 10.10. 19 Uhr | Alte Feuerwache an der Gathe | www.altefeuerwache-wuppertal.de

„Bilder von uns“ | 13.(P), 14., 20., 27.10. je 19.30 Uhr, 22., 29.10. je 18 Uhr | Theater am Engelsgarten | www.schauspiel-wuppertal.de

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