Eine Bedingung stellten die Stadtwerke im Frühjahr dem Zweiradhändler Knut Dickten: „Voraussetzung für eine Kooperation zum Verleih von Pedelecs war die Versorgung der Firma mit grünem Strom“, berichtet Dickten. Schließlich gehört es zum Grundgedanken der Elektromobilität, Ressourcen zu schonen. Seit Mai läuft der Verleih von elf E-Bikes, die Dickten im Auftrag der Stadtwerke wartet, pflegt und bei Bedarf transportiert. Und er läuft so gut, dass es für Nutzer ratsam ist, sich vier bis fünf Tage vorher anzumelden. „Voraussetzung ist ein Identitätsnachweis und der Nachweis einer privaten Haftpflichtversicherung“, erklärt der Fahrradhändler. Ratsam ist ebenso ein Fahrradhelm, weil das E-Bike ganz schön schnell wird: „Etwa 80 Prozent der Nutzer machen das freiwillig“, weiß Dickten.
Pedelecs sind längst keine Oma-Opa-Räder mehr
Allerdings holen die Stadtwerke manchmal auch kurzerhand einen Teil der Räder ab, um in Firmen rund um Wuppertal gezielt für die Elektromobilität zu werben und Probefahrten anzubieten: „Ziel ist es, auch im Bergischen Land das Rad als alltägliches Fortbewegungsmittel zu etablieren“, erläutert Fahrradhändler Dickten. Bislang war das angesichts der vielen Steigungen eher schwierig: „Viele Kunden haben früher Falträder gekauft, weil man die schnell einpacken und dorthin mitnehmen kann, wo es sich leichter fahren lässt. Mit den Pedelecs kann man gleich von zu Hause aus starten. Tägliche Wege mit dem Rad zu erledigen, ist kein Problem mehr. Für Sportler war das nie eine Frage, aber auch die vergrößern ihren Radius mit dem Pedelec massiv. Für die Alltagsradler werden alle Steigungen bequem machbar.“ Das Schönste daran: „Es ist ganz einfach, ein E-Bike zu benutzen, man setzt sich drauf und fährt los.“ Testergebnisse, mit denen die Stiftung Warentest den Pedelecs im Juli Schwachstellen nachwies, sieht der Zweiradfachmann eher kritisch: „Da wurden Äpfel mit Birnen verglichen. Rahmenbrüche etwa, wie dort erwähnt, gab es bei einem einzigen Hersteller, mit dem wir schon seit zehn Jahren nicht mehr zusammenarbeiten. Und ein Modell schneidet gut ab, von dem ich noch kein einziges unproblematisches gesehen habe“, kritisiert er.
Bundesweit boomen die E-Bikes. „Der Markt explodiert“, bringt es Dickten auf den Punkt. 2010 wurden 200 000 Räder verkauft, seit 2007 hat sich der Absatz verdreifacht. Dabei haben die Pedelecs immer noch ein wenig mit dem Image des Seniorenrads zu kämpfen: „Aber das sind längst keine Oma-Opa-Räder mehr. Es gibt viele verschiedene Ausführungen für jeden Bedarf, Sport-, Touren- oder Cityräder.“ Zwischen neun verschiedenen Anbietern und sieben verschiedenen Antriebsarten können Interessierte wählen. Das macht die Auswahl nicht eben leicht und gute Beratung durchaus sinnvoll: „Gerade im Bergischen Land ist ein stärkerer Motor angesagt, um die Steigungen zu bewältigen“, rät Dickten.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

„Ein Drei-Liter-Auto ist kein Kunstwerk“
Karl Otto Schallaböck über die Zukunft der mobilen Gesellschaft – Thema 09/11 Elektromobilität
„Nur der Regen ist ein Problem“
Frederic Rudolph zu den Vorteilen von Elektro-Fahrrädern – Thema 09/11 Elektromobilität
Mit dem Stangentaxi zur Ritterburg
Elektrobusse gibt es schon lange in der Region – nun ist eine Ausweitung geplant - Thema 09/11 Elektromobilität
Spannende Autos
Durch Elektromobilität kann das Leben im Tal schöner werden - THEMA 09/11 ELEKTROMOBILITÄT
Lohn der Angst
Intro – Nach der Arbeit
Sanktionen schaffen keine Stellen
Teil 1: Leitartikel – Politik und Wirtschaft lassen Arbeitslose oft im Stich
„Eine gewisse Unsicherheit und Versagensängste“
Teil 1: Interview – Experte Matthias Auer über den Arbeitsmarkt für Jung-Akademiker
Der ganze Mensch
Teil 1: Lokale Initiativen – Die GESA Gruppe in Wuppertal hilft bei der Rückkehr ins Arbeitsleben
Erst das Vergnügen
Teil 2: Leitartikel – Industriearbeit ist ein Auslaufmodell
„Das BGE würde eher schaden als nützen“
Teil 2: Interview – Philosoph und Ökonom Birger Priddat über die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens
Mehr als Existenzsicherung
Teil 2: Lokale Initiativen – Die Attac-AG „Genug für alle“ aus Bonn
Klassenkampf von oben
Teil 3: Leitartikel – CDU und SPD wenden sich gemeinsam gegen arbeitende Menschen
„Je länger ein Arbeitstag dauert, desto unproduktiver wird er“
Teil 3: Interview – Gewerkschafter Stephan Krull über kürzere Arbeitszeiten und gesellschaftliche Teilhabe
Geschenkte Freizeit
Teil 3: Lokale Initiativen – Die Agentur Wake Up Communications Düsseldorf
Vertrauen durch Bildung
Was tatsächlich gegen Arbeitslosigkeit hilft – Europa-Vorbild Dänemark
Kurz frei
Arbeit schläft nie. Auch ihre Jünger nicht – Glosse
Fehlbilanz
Intro – Mündig
Jedem sein Kreuz
Teil 1: Leitartikel – Über Mündigkeit an der Wahlurne
„Wir empfehlen, das Wahlalter zu senken“
Teil 1: Interview – Demokratieexperte Jonathan Hoffmann über die Wahlbeteiligung von Jugendlichen
Was junge Menschen bewegt
Teil 1: Lokale Initiativen – Filmreihen von Jugendlichen im Medienprojekt Wuppertal
Die unmögliche Schule
Teil 2: Leitartikel – Lernen und Lehren zwischen Takt und Freiheit
„Wirklich Interesse zeigen“
Teil 2: Interview – Pädagogin Inke Hummel über die Beziehung zwischen Jugendlichen und Erwachsenen
Freude am Lernen lernen
Teil 2: Lokale Initiativen – Der Verein In Via Köln und die Motivia-Werkstattschule
Überwachen und Strafen
Teil 3: Leitartikel – Eine gesenkte Strafmündigkeit würde nicht zu mehr Sicherheit führen, sondern zu mehr Kindern und Jugendlichen im Knast.
„Kinder, die Probleme machen, haben in der Regel auch Probleme“
Teil 3: Interview – Kriminologin Nadine Bals über Jugendstrafrecht und Strafmündigkeit