Finja möchte noch mehr schreiben können,Noël noch einmal auf den Spielplatz: Die Kinder, die im Sommer eingeschult werden, verewigen ihre Wünsche auf einer Tafel. Auf dem roten Papier steht, was sie schon können, und wie sie ihr letztes Jahr im Kindergarten gestalten möchten.
Die Faszination für das Lesen setzt im Alter von fünf Jahren ein
„Die Kinder lernen hier auch lesen und schreiben, aber nur, wenn sie das wollen“, erklärt Leiterin Petra Kirschbaum. Im Leben des Kindes gebe es sensible Phasen, in denen die Kleinen besonders empfänglich für das Lernen seien. Ab dem dritten Lebensjahr beginnen sie, sich für Zahlen und mathematische Zusammenhänge zu interessieren, ab dem vierten Lebensjahr für Buchstaben. Die Faszination für das Lesen setze dann im Alter von fünf Jahren ein. Die Kleinen sollen dabei ohne äußeren Zwang ihren Interessen folgen. Im Montessori Kinderhaus gibt es zwei altersgemischte Tagesstättengruppen für Kinder von drei bis sechs Jahren. Zwei Erzieherinnen mit Montessoridiplom sowie weitere pädagogische Kräfte kümmern sich um die Kleinen. In der Regenbogengruppe sind 20 Kinder, in der Sternschnuppengruppe 15, davon 5 mit Behinderung. Den Drei- bis Sechsjährigen stehen jeweils großzügige Gruppenräume zur Verfügung, die in unterschiedliche Aktionsbereiche unterteilt sind. Hier wird gebaut, konstruiert oder gespielt. Draußen befindet sich die „Hoppe Tosse“, ein großes Schiff mit einer Rutsche. Die Umgebung soll das kindliche Interesse an Wissen aktiv fördern. „Der Raum ist der dritte Erzieher“, erläutert Petra Kirschbaum.
In der Montessori-Pädagogik wird mit sinnlichen Erfahrungen gearbeitet. Auf einer handlichen roten Tafel steht ein gelbes „E“. Die Kinder sollen es nicht nur sehen, sondern auch fühlen. „Das Begreifen mit den Händen schafft die Voraussetzung für das Begreifen von Begriffen.“ Ein Knirps flitzt durch die Einrichtung und präsentiert stolz sein Lego-Kunstwerk: „Habe ich alleine gemacht“, sagt er. „Diesen Satz höre ich hier oft“, berichtet Petra Kirschbaum. Größtmögliche Selbstständigkeit ist ein Ziel der Reformpädagogik. „So viel Hilfe wie nötig, so wenig wie möglich“ lautet das Credo. Die Kleinen sollen lernen, Verantwortung für ihre Handlungen zu übernehmen. Das Kind wird als eigene Persönlichkeit mit individuellen Stärken und Schwächen anerkannt, das einer individuellen Förderung bedarf. Im Montessori-Kinderhaus lernen Kinder, mit Gefahren umzugehen. Das Schneiden mit einem Messer wird hier genauso geübt wie das Tragen eines Glases. Weil das Glas zerbrechlich ist, sind sie vorsichtiger. Das Montessori Kinderhaus wird von einer Elterninitiative betrieben. Ein ehrenamtlich agierender Vorstand ist für Finanzen, Personal und Verwaltung verantwortlich. „Montessori, das ist eine Lebenshaltung“, erläutert Petra Kirschbaum abschließend.
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