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African Funkateers: Osayamore Joseph & The Creative 7
Foto: Strut

Retrospektiven in Ton und Wort

05. April 2019

1000 Jahre und ein halbes Leben Musik – Kompakt Disk 04/19

Der Plattentitel des Monats geht ganz klar an Ustad Saami. Mit seinem Album „God Is not a Terrorist“ erkundet er die prä-islamische Musik seiner Region. Seine minimalistische Tonalität erinnert ebenso an andere sakrale Musik aus aller Welt wie an westliche Minimal Music. Mit seinen Mikrotönen fordert er die westliche Tonalität heraus, mit dem Bezug auf vor-islamische Musik den Islamismus, der sowieso mit Musik auf Kriegsfuß steht. Altin Gün wandeln mit ihrem zweiten Album „Gece“ auf dem Pfad von Selda Bağcan, Erkin Koray, Barış Manço und all den Anderen, die in den 70er Jahren türkische Folklore mit Psychedelik und Funk unterfüttert haben. Bei Altin Gün haben zwar nur die beiden Sänger türkische Wurzeln, doch die Adaption dieses Sounds funktioniert perfekt. Es sind ausschließlich alte türkische Lieder, die sie neu arrangieren und damit den Geist der Erneuerer der 70er Jahre heraufbeschwören. Das hat wie bei Ustad Saami automatisch auch eine politische Komponente (beide Glitterbeat).

Tatsächlich alt ist die Musik auf der Compilation „Nigeria 70“. Benannt in Abwandlung von Fela Kutis Band Afrika 70 widmet sich auch „No Wahala“, die dritte Ausgabe der Serie, dem Highlife, Afro-Funk und Juju der Jahre 1973 – 1987. Der Übervater Fela Kuti hat sicher einige Talente verdeckt – mit „Nigeria 70“ wird ihnen Tribut gezollt. Die zwölf Stücke mit zwingendem Afro-Beat zwischen Funk und nigerianischer Folklore von u.a. Prince Nico Mbarga, Sir Victor Uwaifo, Osayomore Joseph, Sina Bakare lassen jedenfalls keinen Zweifel daran, dass es noch viel tolles Material für kommende Ausgaben gibt (Strut).

Dirk von Lotzow ist bekannt als Gitarrist und Sänger von Tocotronic. Und natürlich als deren Texter. Mit „Aus dem Dachsbau“ ist nun sein erstes Buch erschienen. Hier finden auch ein paar wenige Texte Einzug, in alphabetischer Sortierung finden sich hier aber vor allem retrospektive Einträge zu seinem Leben – aus der Kindheit und Jugend und seinem Leben als Musiker. Das ist mal konkret, mal abstrakt und mitunter auch recht surreal und ergibt in seiner Gesamtheit ein lyrisches, emotionales und schön zu lesendes Porträt des Musikers (KiWi).

Christian Meyer-Pröpstl

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