„Die gibt es doch gar nicht!“ Uwe Dresens Kommentar zur Wuppertaler Kneipenszene für Schwule und Lesben fällt lakonisch aus. Dabei betreibt der Gastwirt selbst seit bald 30 Jahren einen ihrer letzten Treffpunkte: die „Schankwirtschaft Marlene“. Die will er aber nicht als Szenekneipe verstanden wissen, denn solche Trennungen zwischen homo und hetero hätten sich für ihn mittlerweile erledigt. So locker nimmt das unbestrittene Versiegen der Ausgehangebote für Homosexuelle nicht jeder. Christiane Buck etwa, Vorstandsmitglied im Frauenzentrum Urania, bedauert, dass sich in Wuppertal kaum schwul-lesbische Kultur findet. Umso weniger Angebote da seien, desto höher sei nämlich die Hemmschwelle, selbst aktiv zu werden, meint sie. Wenn sie in der Urania hinterm Tresen steht, bekommt sie die wachsende Lethargie der Szene zu spüren: Zum Kneipenabend kämen weniger Frauen als früher, nur bei größeren Veranstaltungen sei mehr los. Auch wenn es darum geht, sich im Verein zu engagieren, herrsche bei vielen Zurückhaltung. Vor allem am Nachwuchs mangele es. Wundern tut Buck das nicht, immerhin koste Engagement einiges an Energie. Anne Simon würde das wahrscheinlich sofort unterschreiben.
Sie ist im Verein von Wupperpride aktiv, der seit 2009 den Wuppertaler Christopher-Street-Day organisiert. Simon weiß noch, wie eine lebendige Szene aussehen kann: „Vor 30, 35 Jahren gab es das ‚Heinkel Eck’, die ‚Dröppelfemina’, den ‚Kellerclub’ und die legendären Feten in der ‚Börse’, zu der Frauen aus dem Ruhrgebiet, aus Düsseldorf und sogar aus Köln gekommen sind.“ Heute führe der Weg eher in die andere Richtung. Simon glaubt, dass das Abflauen der Szene vor allem darauf zurückzuführen ist, dass viele einst aktive Studentinnen Wuppertal nach ihrem Studienende wieder verlassen hätten. Und auch ein CDU-geführter Stadtrat, in dem dazu noch zwei Republikaner und ein NPD-Mann sitzen, sei nicht optimal. Inwieweit Homosexuelle in Wuppertal unter Diskriminierungen zu leiden haben, darüber ist man sich uneinig. Marlene-Wirt Dresen bleibt auch hier gelassen, meint, es gäbe praktisch keine Probleme. Mit ein paar Idioten müsse man halt leben. Anne Simon ist da etwas strenger: Zwar sei die Situation in Wuppertal nicht schlimmer als in vergleichbaren Städten, aber eben auch nicht optimal.
Anders als in Köln und Berlin fehle der Integrationsdruck auf Grund der Masse und so müsse man damit rechnen, dass wie in der Gesamtbevölkerung etwa 25 bis 30 Prozent der Wuppertaler homophob sind. Christiane Buck hat dies schon am eigenen Leib erfahren müssen, als sie bei einem Spaziergang mit ihrer Partnerin von Jugendlichen angepöbelt wurde. Auch Freundinnen von ihr sei das schon widerfahren. Aber es gibt auch positive Entwicklungen in der Szene. Seit Ende letzten Jahres trifft sich die neu entstandene Gruppe „Immer dabei. Ältere Lesben und Schwule in Wuppertal“ etwa einmal monatlich im Nachbarschaftsheim auf dem Platz der Republik, um gemeinsam Freizeitaktivitäten zu planen und politische Ziele zu verfolgen. Mitmachen kann man ab dem 55. Lebensjahr.
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