engels: Herr Theißen, ist der Bufdi ein Erfolgsmodell?
Wilfried Theißen: In NRW sind wir mit der Entwicklung ganz zufrieden. Wir haben 650 Freiwillige im Dienst. Dies war im vergangenen Juli so nicht absehbar. Allerdings stellt sich noch immer die Frage, ob es Sinn macht, zwei große Freiwilligendienste, den Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr, parallel zueinander anzubieten. Des Weiteren hatten wir im Januar bereits alle Plätze besetzt. Es gibt also zu wenig finanzierte Plätze.
Kann der Bufdi überhaupt den Zivildienstleistenden ersetzen?
Definitiv nein. Der Zivildienstleistende ist nicht zu ersetzen. Der Zivi übernahm Aufgaben, die ein Freiwilliger nicht ohne Weiteres übernehmen würde. Freiwillige haben an die Art und Weise ihrer Tätigkeit einen hohen Anspruch, was ja auch richtig ist.
Der Zivi hat die Bettpfanne geleert, der Bufdi macht das nicht?
Pflegerische Tätigkeiten übernehmen beide. Der Zivi machte aber auch den klassischen Fahrdienst. Nicht alle Freiwilligen können sich mit solch einer Aufgabe anfreunden. Sie wollen lieber direkt mit dem Menschen arbeiten.
Gibt es überhaupt genug Plätze?
Am 31.12.2010 waren bundesweit 92.000 Zivildienstleistende im Einsatz. Im sozialen Bereich haben wir 30.000 Bundesfreiwilligendienstler zur Verfügung. Eine Verdopplung dieser Zahl wäre durchaus wünschenswert.
Wie machen sich die fehlenden Plätze bemerkbar?
Es gibt Gewinner- und Verliererbereiche. Gewinner ist die Kinder- und Jugendarbeit sowie die Behindertenhilfe. Plätze dort werden von Freiwilligen vermehrt nachgefragt. Verlierer ist zurzeit noch die stationäre Altenhilfe und auch die ambulante Pflege. Dort standen Zivildienstleistende zur Verfügung, um menschliche Kontakte zu pflegen, zum Beispiel um mit Bewohnern spazieren zu gehen, mit ihnen einzukaufen, im Haushalt zu helfen. Auch hatten viele Träger zunächst Schwierigkeiten, ihre Fahrdienste zu besetzen.
Den großen Zusammenbruch des sozialen Systems erlebten wir also nicht?
Nein. Das haben wir auch nie prognostiziert. Aber es fehlen in vielen Bereichen die Personen, die die zwischenmenschlich wichtigen Dinge anbieten.
Ist der Bundesfreiwilligendienst nicht auch eine Chance für Menschen, die lange erwerbslos waren, wieder ins Arbeitsleben integriert zu werden?
Die Möglichkeit bietet der Dienst tatsächlich. Allerdings wehren wir uns dagegen, daraus ein Arbeitsmarktinstrument zu machen. Der Kerngedanke des Dienstes ist die Freiwilligkeit. Es gab aber an verschiedenen Stellen Versuche von Jobcentern und von den Arbeitsagenturen, den Bundesfreiwilligendienst zu verordnen.
Können sich Hartz-IV-Bezieher durch den Freiwilligendienst finanziell besser stellen?
Im vergangenen Jahr betrug der Selbstbehalt 60 Euro. Seit Anfang des Jahres können Hartz-IV-Bezieher 175 Euro zusätzlich verdienen.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

„Die Nachfrage ist ungebrochen hoch“
Antje Mäder zum Bundesfreiwilligendienst aus Sicht der betreuenden Behörde – Thema 06/12 Freiwillig
„Menschen, die der Natur wieder etwas zurückgeben wollen“
Gitta Richter über Bundesfreiwillige im Naturschutz – Thema 06/12 Freiwillig
Freiwillig und zivil
Der Bundesfreiwilligendienst feiert im nächsten Monat Geburtstag - THEMA 06/12 FREIWILLIG
Überzeugter Lückenbüßer für die Gemeinschaft
Kevin Buchner betreut in Hilden Kinder mit geistiger und körperlicher Behinderung - Thema 06/12 Freiwillig
Wenn Hilfe zur Sinnsuche wird
Marius Pletsch leistet seinen Bundesfreiwilligendienst im Remscheider CBT-Wohnhaus Katharinenstift - Thema 06/12 Freiwillig
Perfektes Versagen
Intro – Systemstörung
Die Hoffnung schwindet
Teil 1: Leitartikel – Die Politik bekämpft nicht den Klimawandel, sondern Klimaschützer:innen
„Weit von einer erheblichen Gefahr für die öffentliche Sicherheit entfernt“
Teil 1: Interview – Die Rechtswissenschaftlerin Lisa Kadel über die Kriminalisierung von Klimaaktivist:innen
Klimaprotest im Wandel
Teil 1: Lokale Initiativen – Extinction Rebellion in Wuppertal
Drehtür in den Klimakollaps
Teil 2: Leitartikel – Hinter mächtigen Industrieinteressen wird die Klimakrise zum Hintergrundrauschen
„Kernziel der Klimaleugner: weltweite Zusammenarbeit zerstören“
Teil 2: Interview – Politologe Dieter Plehwe über die Anti-Klimaschutz-Bewegung
Dem Klima verpflichtet
Teil 2: Lokale Initiativen – Die Initative Klimawende Köln
Welt statt Wahl
Teil 3: Leitartikel – Klimaschutz geht vom Volke aus
„Nicht versuchen, die Industrie des 19. Jahrhunderts zu retten“
Teil 3: Interview – Meteorologe Karsten Schwanke über Klimaschutz und wirtschaftliche Chancen
Klimaschutz braucht (dein) Engagement
Teil 3: Lokale Initiativen – Die Bochumer Initiative BoKlima
Klimaschutz als Bürgerrecht
Norwegen stärkt Engagement für Klimaschutz – Europa-Vorbild: Norwegen
Durch uns die Sintflut
Der nächste Weltuntergang wird kein Mythos sein – Glosse
Vorwärts 2026
Intro – Kopf oder Bauch?
Noch einmal schlafen
Teil 1: Leitartikel – Ab wann ist man Entscheider:in?
„Zwischen Perfektionismus und Ungewissheit“
Teil 1: Interview – Psychiater Volker Busch über den Umgang mit schwierigen Entscheidungen
Weil es oft anders kommt
Teil 1: Lokale Initiativen – Gut aufgestellt in Wuppertal: Pro Familia berät zu Schwangerschaft, Identität und Lebensplanung
Worüber sich (nicht) streiten lässt
Teil 2: Leitartikel – Wissenschaft in Zeiten alternativer Fakten
„Dass wir schon so viel wissen, ist das eigentliche Wunder“
Teil 2: Interview – Neurowissenschaftlerin Maria Waltmann über Erforschung und Therapie des Gehirns
Über Grenzen hinweg entscheiden
Teil 2: Lokale Initiativen – Das Experimentallabor Decision Lab Cologne
Mieter aller Länder, vereinigt euch!
Teil 3: Leitartikel – Der Kampf für bezahlbares Wohnen eint unterschiedlichste Milieus