engels: Frau Koster, ist Weihnachten lustig?
Jutta Koster: In meiner Familie ist Weihnachten lustig. Außerhalb der Familie empfinde ich Weihnachten eher als besinnlich.
Aber ist es denn ein Thema für das Kabarett?
 von engels_Thema_Seite 2_unten_Portrait.jpg)
Natürlich, das Weihnachtsfest an sich zwar nicht, aber die Begleiterscheinungen. Dominosteine im September finde ich fragwürdig. Irgendwann trifft der Weihnachtsmann auf den Osterhasen. Auch die niedlichen Elche haben doch mit dem Fest nichts zu tun. Dass Weihnachten immer mehr eine kommerzielle Veranstaltung geworden ist, ist für mich der kabarettistische Angriffspunkt.
Welche Alternativen gibt es?
Ich wünsche mir ein anarchistisches Weihnachten. Das Fest ist doch quasi die Vorstufe zur Kreuzigung. Ich war mal in einer katholischen Jugendgruppe aktiv. Da haben wir neben die Krippe das Kreuz gestellt. Da war was los.
Weihnachten ist doch oft was los. Es ist doch auch das Fest der häuslichen Gewalt?
Früher habe ich mich professionell mit Zoff in der Familie beschäftigt. Als ich bei RTL war, habe ich über dieses Thema oft berichtet.
Auch Weihnachtsmärkte werden mitunter als terroristischer Akt gewertet?
Mit meinem Ensemble inspiziere ich regelmäßig Weihnachtsmärkte. Der Glühwein aus Wuppertal ist übrigens sehr gut weggekommen. Er ist nicht so süß wie der in Köln. Natürlich gieren wir dann auch nach Besinnlichkeit. Räuchermännchen machen viel Besinnlichkeit. Über diesen Kitsch machen wir uns gern ein wenig lustig. Wir suchen abseits des Festes jährlich in Kevelaer das kitschigste Wallfahrts-Accessoire. Da gibt es Jesus aus der Steckdose und Maria zum Aufschrauben. Auch brennbare Christus-Darstellungen werden angeboten, als Verzierung an Kerzen.
Wie sieht das Fest der Zukunft aus?
Noch kommerzieller. Zum Glühwein gibt es die Börsennachrichten mit DAX. Weihnachtskerzen werden durch LEDs ersetzt. Gemeinsam mit den Kirchen wird Weihnachten als Marketingkonzept entdeckt. Die Botschaft lautet: „Kauft, sonst wird die Welt ein Stückchen ärmer!“ Jesus ist zu uns gekommen, damit wir kaufen.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Oh je, du fröhliche!
Eine Graffiti-Krippe, die Kreuzigung an Heiligabend und ein Beuys-Schüler als Tannenputzer – THEMA 12/12 O DU FRÖHLICHE
„Ein schönes Fest“
Thorsten Hamer über Weihnachten, wie Heinz Erhardt es sähe – Thema 12/12 O du fröhliche
Die Schattenseite des Weihnachtsfests
Johannes Nattland über Armut und Einsamkeit – Thema 12/12 O du fröhliche
Unter der Tanne wird gejodelt
Spätsommerliche Voradventszeit mit Schokolade als Sonnenschutz – Thema 12/12 O du fröhliche
Perfektes Versagen
Intro – Systemstörung
Die Hoffnung schwindet
Teil 1: Leitartikel – Die Politik bekämpft nicht den Klimawandel, sondern Klimaschützer:innen
„Weit von einer erheblichen Gefahr für die öffentliche Sicherheit entfernt“
Teil 1: Interview – Die Rechtswissenschaftlerin Lisa Kadel über die Kriminalisierung von Klimaaktivist:innen
Klimaprotest im Wandel
Teil 1: Lokale Initiativen – Extinction Rebellion in Wuppertal
Drehtür in den Klimakollaps
Teil 2: Leitartikel – Hinter mächtigen Industrieinteressen wird die Klimakrise zum Hintergrundrauschen
„Kernziel der Klimaleugner: weltweite Zusammenarbeit zerstören“
Teil 2: Interview – Politologe Dieter Plehwe über die Anti-Klimaschutz-Bewegung
Dem Klima verpflichtet
Teil 2: Lokale Initiativen – Die Initative Klimawende Köln
Welt statt Wahl
Teil 3: Leitartikel – Klimaschutz geht vom Volke aus
„Nicht versuchen, die Industrie des 19. Jahrhunderts zu retten“
Teil 3: Interview – Meteorologe Karsten Schwanke über Klimaschutz und wirtschaftliche Chancen
Klimaschutz braucht (dein) Engagement
Teil 3: Lokale Initiativen – Die Bochumer Initiative BoKlima
Klimaschutz als Bürgerrecht
Norwegen stärkt Engagement für Klimaschutz – Europa-Vorbild: Norwegen
Durch uns die Sintflut
Der nächste Weltuntergang wird kein Mythos sein – Glosse
Vorwärts 2026
Intro – Kopf oder Bauch?
Noch einmal schlafen
Teil 1: Leitartikel – Ab wann ist man Entscheider:in?
„Zwischen Perfektionismus und Ungewissheit“
Teil 1: Interview – Psychiater Volker Busch über den Umgang mit schwierigen Entscheidungen
Weil es oft anders kommt
Teil 1: Lokale Initiativen – Gut aufgestellt in Wuppertal: Pro Familia berät zu Schwangerschaft, Identität und Lebensplanung
Worüber sich (nicht) streiten lässt
Teil 2: Leitartikel – Wissenschaft in Zeiten alternativer Fakten
„Dass wir schon so viel wissen, ist das eigentliche Wunder“
Teil 2: Interview – Neurowissenschaftlerin Maria Waltmann über Erforschung und Therapie des Gehirns
Über Grenzen hinweg entscheiden
Teil 2: Lokale Initiativen – Das Experimentallabor Decision Lab Cologne
Mieter aller Länder, vereinigt euch!
Teil 3: Leitartikel – Der Kampf für bezahlbares Wohnen eint unterschiedlichste Milieus
„Glaubwürdigkeit ist ein entscheidender Faktor“
Teil 3: Interview – Sprachwissenschaftler Thomas Niehr über Sprache in Politik und Populismus