Weihnachten kommt immer so plötzlich. Mich erwischt es jedes Mal eiskalt. Nein … nicht eiskalt, knalleheiß. Leise tröpfelt der Schweiß … Es war heiß in den letzten Sommertagen der letzten Jahre. Einmal ist mir die Sonnenmilch ausgegangen. Ich ging in den Supermarkt. Suchte nach der Sonnenmilch und fand: Dominosteine und Nikoläuse! Ja super! Da kann man sich doch geschmolzene Schokolade auf die Haut schmieren, zum Schutz gegen Sonnenbrand! Weihnachten standvor der Tür. Weihnachten fängt nämlich im August an, damit wir auch alle was davon haben. Und nicht nur wir. Auch die Musikbranche kann sich die Hände reiben. ENDLICH klingelt nicht nur das Klingglöckchen klingelingeling, sondern vor allem wieder der GEMA die Kasse. I’m dreaming of a white Christmas … Jawoll, endlich kann sie wieder losgehen, die Konsumbegleitmusikfolter in den Kaufhäusern. Roberto Blanco quält uns mit Rudolph, the red nosed Rentier, Heino basst inbrünstig vom Ohtannenbaum, Kinderchöre kommen vom Himmel hoch, und spätestens beim Herztransplantationssong von Wham! merke ich, wie ich einen leichten Juckreiz auf dem Trommelfell bekomme. Herpes kann ja an verschiedenen Stellen auftreten. Jedes Jahr nehme ich mir vor, sämtliche Weihnachtsgeschenke schon im WSV im Januar zu kaufen, um mich dieser Folter zu entziehen. Oder ab August nur noch mit Ohrstöpseln einkaufen zu gehen. Aber wie verständige ich mich dann mit der Verkäuferin an der Käsetheke? Ich sollte Gebärdensprache lernen. Ich war mal in einem Restaurant essen, in dem es völlig dunkel war. Das war eine interessante Erfahrung. Das Auge hatte sozusagen komplett Pause und alle anderen Sinnesorgane mussten doppelt ran. Vielleicht gibt es ja irgendwann ein Kaufhaus, in dem NICHTS zu hören ist! Ich wäre die erste Kundin! In völliger Stille einkaufen. Sich nur nickend, kopfschüttelnd oder mit Zeichen verständigen. Und KEINE MUSIK! Da bekäme dann „Stille Nacht, heilige Nacht“ wieder eine völlig neue Bedeutung ...
Wir haben uns unter die Tanne gelegt, mit Sonnenmilch bespritzt
Als meine Kinder vor vielen Jahren ein Familienkaninchen zu Grabe getragen haben – das war mitten im Frühling –, sang meine damals 3jährige Jüngste „O du fröhliche“ am Grab. Ihr war kein anderes Lied eingefallen. „Maikäfer flieg“ hätte nicht so feierlich geklungen und erbarmungslos tief hatte sich das Weihnachtsliedgut in die Ohren meines Kindes implantiert. Das brachte mich auf eine Idee und ich habe beim nächsten Weihnachtsfest meine Familie gebeten, unter der Weihnachtstanne Osterlieder singen zu dürfen. Die wurden ja von der Musikbranche noch nicht entdeckt und wirken daher so wunderbar unbenutzt. Ich glaube, das war in dem Jahr, als ich von meinen Kindern zu Weihnachten 10 Liter Sonnenmilch geschenkt bekam. Sie wollten nicht mehr, dass ich mich im August mit Schokoladennikoläusen einschmieren muss. Wir haben uns unter die Tanne gelegt, mit Sonnenmilch bespritzt und „Das Grab ist leer, der Held erwacht“ gesungen. War ein lustiges Fest. Ich hatte allerdings hinterher Herpes, hab’ die Sonnenmilch nicht vertragen.
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