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Buntes Herz rockt klassische Folklore
Foto: privat

Kölnische Nächte werden kürzer

31. August 2017

Die Musiknacht setzt auf Krise – Klassik am Rhein 09/17

Eine wirklich eindrucksvoll reduzierte Fassung der traditionellen „Kölner Musiknacht“ resultiert aus einer einfachen Rechnung: Wie viel Kultur bleibt möglich, wenn wir jedem Musiker 150 € Gage zahlen? Dieses Experiment einer faireren Bezahlung führte jetzt die IFM, die Initiative Freie Musik, anlässlich der jährlich wiederkehrenden Lokal-Show durch. Das Ergebnis ist erstaunlich: Eine Veranstaltung der Konfektionsgröße „small“ blieb jetzt übrig.

Auch aus der bisher üblichen üppigen Flutung der Musikstadt an einem einzigen kompakten Abend mit über 100 Events war bisher die häufig angeführte Gewissheit entwickelt worden, die Kulturszene Kölns ruhe auf zwei Säulen: Die städtischen Institutionen und die viel gelobte freie Szene tragen die Kultur dieser alten Stadt. Anschaulich schlüsselt die IFM nun auf, dass die eine Säule, die ja von städtischer Seite momentan durch städtebauliche Glanzleistung überregional der Lächerlichkeit preisgegeben wird, von einer freien Säule unterstützt wird, die dagegen wie ein Streichholz wirkt: 2,9 Prozent der von den Institutionen im Normalmodus verschlungenen Gelder stehen der gesamten freien Szene zur freien Verfügung. Jetzt ist das Streichholz eingeknickt.

Unter www.jazzstudie2016.de lassen sich Jazzmusiker-Durchschnittseinkommen, die durchaus vergleichbar sind mit den Zahlen von freien Klassikern, einsehen: Gott sei es gelobt, wenn da noch Eltern stützen können und wollen. Aber ja, der Künstler lebt sprichwörtlich vom Applaus allein. Damit der wenigstens in der Nacht der Nächte gesichert ist, sind alle Konzerte im Zuge der immer beliebter werdenden Umsonst-Kultur bei freiem Eintritt zu besuchen. Ähnliche Feste wie der „Winterjazz“ im Stadtgarten haben eindrucksvoll belegt, dass 2für umsonst“ Massen von Neugierigen angezogen werden. Da sich Erfolg aktuell auch in der Kultur in Einschaltquote bzw. Besucherzahlen misst, ist das ein vielversprechender Versuch, neue Argumente für entsprechende Hilfen zu gewinnen: Dünger für einknickende Streichhölzer.

Trotzdem lässt sich eine sehr passable Abendtour für verschiedenste Genres bedienen. So spielt das Danaë-Klaviertrio bereits um 19 Uhr und 20 Uhr in der Karl-Rahner-Akademie ein Werk Felix Mendelssohns, über das schon Freund Schumann sich begeisterte. Multikulturelle klassische Musik klingt oft nach Folklore, so auch beim Treffen syrischer, afghanischer und irakischer Musiker mit Kölner Szene-Typen, darunter sogar ein Althahn der Kultband Höhner. Kurdische und arabische Sounds treffen auf Rockrhythmen – die Band um 20 Uhr im Domforum heißt Buntes Herz.

Interessant wird es auch um 22 h im WDR Funkhaus: Norbert Rodenkirchen, Diego Montes und Melvyn Poore wagen einen musikalischen Trialog: mit mittelalterlicher Flöte, Klarinette und Tuba; mit Klappen und ohne; mit Musik und Texten; das nennt sich „Klappentext“.

Kölner Musiknacht „kompakt“ | Sa 30.9. 17.30-23.30 Uhr | Eintritt frei | www.koelner-musiknacht.de

Olaf Weiden

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