Alle Jahre wieder verleihen der Deutsche Bühnenverein, die Kulturstiftung der Länder und die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste den „Faust“. Das ist dieses Ding, das aussieht wie eine Filmklappe, aber als Theaterpreis durchgehen soll. Es ist gerade acht Jahre her, da ist irgendjemandem aufgefallen, dass Deutschland zwar die weltweit größte Theaterlandschaft besitzt, aber aus Angst vor der Kulturhoheit der Länder keinen nationalen Preis.
Pina Bausch, das ist unbestritten, hat den Tanz revolutioniert. Den immer gleichen hehren Gesten des klassischen Balletts setzte sie Bewegungen entgegen, die aus dem Innersten der Tänzer kamen. Es waren Bewegungen, die von Alltagsgesten bis hin zum kunstvollen Ausdruck innerlicher Befindlichkeiten reichten.
Die Atmosphäre wirkt so stimmig, dass man es glatt glauben möchte: Ja, so muss es wohl gewesen sein im Wien Maria Theresias, also etwa Mitte des 18. Jahrhunderts. – Doch Pustekuchen. Niemand schwelgte zu jener Zeit in Wiener Walzerseligkeit. Und auf den „alten Brauch“, der Auserwählten zur Brautwerbung eine silberne Rose überreichen zu lassen, ist auch noch kein Historiker gestoßen.
So, heute mal „klare Kante“ (Peer Steinbrück, Ex-Kanzlerkandidat). „Mit Schmackes! Punk im Ruhrgebiet“ ist mit Abstand eines der hässlichsten Bücher, die in den letzten Jahren eine Druckerei verlassen durften. Das Papier ist mit glitschigem Hochglanz überzogen, die Schrift unlesbar groß, und durch das ganze Buch ziehen sich violett unterlegte Absatzüberschriften, die an ein Schulbuch aus den mittleren 1990ern erinnern.
Seit fast 50 Jahren steht Katja Epstein ihre Frau im Showbusiness, vertrat Deutschland dreimal erfolgreich beim Grand Prix de la Chanson und begeistert nun mit „Sister Class“ nicht nur ihre Fangemeinde. „Sister Act“ als Ein-Frau-Musical sozusagen, denn auch Katja Epstein schlüpft in die Rolle einer Nonne. Nur dass sie nicht in einen Mordfall verwickelt ist, sondern als Schwester Marie Claire versucht, ihrem Kloster mit einem Marketing-Konzept auf die Sprünge zu helfen.
Die Landeshauptstadt schwelgte in Kunst. Nach den Sommerferien eröffneten etliche Museen und Galerien in Düsseldorf gleichzeitig. Publikumsmagnet dürfte die Überblicksausstellung von Alexander Calder in der Kunstsammlung NRW am Grabbeplatz sein. Der Amerikaner Calder (1898-1976) ist weltbekannt mit seinen „Mobiles“ und „Stabiles“, die auf öffentlichen Plätzen stehen oder als gestaffelte Farbformen an Drähten und Achsen über den Köpfen hängen.
Die freien Musiker in Deutschland haben auch noch andere Themen zu bieten als die Frage nach den finanziellen Einkünften. Neben den spektakulären Managergehältern sind ihre Bezüge natürlich noch viel spektakulärer – wie jetzt die Initiative des Kulturmanagers Johannes Schatz verdeutlicht.
Tschaikowsky gilt als russische Nationalikone, doch seine Homosexualität ist, wieder einmal, Tabuthema. Ken Russels Film „Genie und Wahnsinn“ aus dem Jahr 1970 machte den Zwiespalt und das Doppelleben, unter dem der Komponist im zaristischen Russland litt, in bombastischen Bildern breitenwirksam öffentlich. Seitdem Putin Homosexuelle mit einer aggressiven Ausgrenzungspolitik verfolgt, wird Tschaikowskys Neigung totgeschwiegen.
Mit der Qualität der Malereien hat es nichts zu tun: Manfred Kuttner (1937-2007) war im Kunstbetrieb über Jahrzehnte völlig vergessen; erst in den vergangenen Jahren wurde sein Werk sporadisch auf Ausstellungen gezeigt. Dass die Bilder von Manfred Kuttner ausgesprochen interessant und – auch zur Zeit ihrer Entstehung – originell sind, das zeigt jetzt die präzise eingerichtete Werkschau in der Langen Foundation.
Lili Fischer ist ein Phänomen. Die 1947 geborene Hamburger Künstlerin ist seit bald vier Jahrzehnten eine Instanz in der deutschen Kunstszene: als munter umtriebige Performance-Künstlerin und als genaue Beobachterin heimischer Riten, unseres Haushaltes und unserer Lebensgewohnheiten.

Streifzug durch New York
Leonard Bernsteins Musical „On the Town“ in Duisburg – Oper in NRW 04/26
Zwei Wahlberliner
Simon Rattle in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 04/26
Die Gitarre für jede Tonart
Hanno Busch in Gelsenkirchen, Köln und Viersen – Improvisierte Musik in NRW 03/26
Surreale Realitäten
Marianna Simnett im Max Ernst Museum in Brühl – Kunst in NRW 03/26
In Bochum an der Themse
„Eine Bühne voller Händel“ im Bochumer Musikforum Ruhr – Klassik an der Ruhr 03/26
Chorstadt rund um den Dom
Drei Konzerte an einem Tag in Köln – Klassik am Rhein 03/26
Helden und große Gefühle
Die fulminanten Choreographien von Brig Huezo – Tanz in NRW 03/26
Unerhörte Musik
Festival Her:voice in Essen – Oper in NRW 03/26
Weg der Erleuchtung
„Awakening“ an der Oper Bonn – Oper in NRW 03/26
Mit Flöte und Balafon
Jakob Manz European Jazz Night in Köln – Improvisierte Musik in NRW 02/26
Irrlichterndes Begehren
„Le Nozze di Figaro“ an der Oper Köln – Oper in NRW 02/26
Gleichheit und Freiheit
„Grund und Boden“ in K21 in Düsseldorf – Kunst in NRW 02/26
Frischer Wind
Louis Philippson im Konzerthaus Dortmund – Klassik an der Ruhr 02/26
Nie erkaltender Stoff
„I Capuleti e i Montecchi“ in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 02/26
Keine Entspannung
Kulturmanagerin Mechtild Tellman über die Zukunft des Tanzes – Tanz in NRW 02/26
Spiel mit der Psyche
Hofesh Shechter gastierte mit seiner Tanzkompanie in Köln – Tanz in NRW 01/26
Ab in die Hölle
Zwei Opern mit Bezug zu Dantes „Inferno“ in Gelsenkirchen – Oper in NRW 01/26
Hymne an Liebe und Toleranz
„Der Barbier von Sevilla“ an der Oper Bonn – Oper in NRW 01/26
Aus der Perspektive
Ingrid Wiener im Marta Herford – Kunst in NRW 01/26
Väter und Söhne
Christoph und Julian Prégardien in Dortmund und Köln – Klassik an der Ruhr 01/26
Dirigat mit Temperament
Konzerte mit dem neuen Kölner GMD Andrés Orozco-Estrada – Klassik am Rhein 01/26
Völlig natürlich atmen
Gitarrist Bill Frisell im Dortmunder Domicil – Improvisierte Musik in NRW 01/26
Vom Ausstellen
Hans-Peter Feldmann im Kunstpalast Düsseldorf – Kunst in NRW 12/25
Internationales Silvesterfest
Künstler von drei Kontinenten begegnen sich in Köln – Klassik am Rhein 12/25
Bach mit E-Gitarre
Das Ensemble Resonanz in Köln und Dortmund – Klassik an der Ruhr 12/25