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Der neue Leiter Lukas Hegemann und seine Vorgängerin Christin Pomp
Foto: Heike Müller-Buchbender

Nur mit Exzessen hapert es

03. November 2017

Führungswechsel an der Wuppertaler börse – Spezial 10/17

Die börse bekommt eine neue Leitung. Lukas Hegemann übernimmt das Kommunikationszentrum an der Wolkenburg nach nur eineinhalb Jahren von Christin Pomp. Der besondere Bezug zur Remscheider „Kraftstation“ ist Christin Pomps Begründung für den Wechsel: Als Schülerin gern selbst zu Gast in dieser Einrichtung für Jugendarbeit, hatte sie während ihres Studiums hier mitgearbeitet – und nun lockte die Leitung. „Kein anderer Job hätte mich hier weggelockt.“

Hegemann nun hat zu seiner neuen Adresse wenig privaten Bezug: An eigene Besuche an der Wolkenburg, muss er einräumen, hat der neue Chef keine prägenden Erinnerungen. Enger scheint aber die inhaltliche Verbindung. Nicht nur weil er vom Düsseldorfer Zentrum zakk kommt, wo er Programmmacher für Musik, auch Techniker und ehrenamtlicher Vorsitzender war. Die börse, reinen Partygängern mag das neu sein, ist ja Produkt des Impuls, eines ziemlich wilden Treffs am Viehhof  rund um Achtundsechzig – mit legendären Exzessen und gleichwohl klarem pädagogischem Programm. Öffentliche Gelder flossen damals nur gegen erheblichen Widerstand konservativer Kreise gegen den „linksextremistischen Hippiekeller“. Neulich gab es eine Art Revival in den alten Arrenberger Räumen, und das rebellische Flair war nach wie vor mit Händen zu greifen. Die Gesellschaft verbessern, nicht weniger wollte man damals und schlug bundesweit Wellen mit ersten Kinderläden und ähnlichen Vorstößen. Und nun weiß Hegemann auch das nicht per Eigenbezug, sondern hat sich die Vorgeschichte für die Stelle angelesen. Keineswegs fremd dagegen scheint dem studierten Philosophen Geist und Programm dahinter.

„Kommunizieren, wie wichtig die börse für die Stadt ist“, formuliert der Mitgründer des Kulturservers NRW als ein Ziel und füllt das beim Aufzählen der Ressorts konkret aus. Noch vor der Musik („Neue Rockmusik braucht Räume, in denen man auch laut sein kann“) nennt er da das politische Angebot des Hauses; derzeit gehört dazu eine Vortragsreihe zur Neuen Rechten. Hinzu kommt das Wirken einer festen Größe wie Dagmar Beilmann, die am Haus ebenso für  Tanz steht wie für das Stadtteilprojekt Lebeliebedeinestadt, das Soziokultur gewissermaßen auf die Straße führen mag. Und vierte Säule fürs Selbstverständnis ist demnach die Raumnutzung für Konferenzen oder Initiativen, zu denen etwa das regelmäßige Plenum von attac gehören dürfte.

Nachher angesprochen, kann Hegemann sich mit einem Stichwort wie „links“ persönlich auch identifizieren; hausieren gehen mag er nicht mit solchen Begriffen, weil er Einengung und Abschreckung fürchtet. In die Gesellschaft zu wirken jedenfalls bleibt klarer Anspruch der börse, auch verstärkt so wahrgenommen zu werden. Und so mag man den wilden Wurzeln an der Wolkenburg heute gerecht werden. Bloß mit Exzessen á la Impuls hapert es inzwischen, aber das ist vielleicht ja nicht das Schlimmste.

Martin Hagemeyer

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