„Mit politischem Engagement ist es wie mit Sport“, erklärt Jutta Sundermann: „Wer immer auf dem Sofa sitzt, kann sich gar nicht vorstellen, wie das überhaupt gehen kann. Wer aber regelmäßig Sport treibt, ist es einfach gewohnt, sich zu bewegen.“ Für die Mitbegründerin von Attac in Deutschland gehört politisches Engagement dazu, seit sie denken kann. „Als Kind habe ich Kröten über die Straße getragen und Nistkästen gebaut“, erzählt sie. Die engagierte Aktivistin ist Mitglied des Attac-Koordinierungskreises und organisierte Kampagnen gegen das Sozialdumping bei Lidl und die Macht der Stromkonzerne. Sie arbeitete mit an einer kritischen Ausgabe der „Financial Crimes“, informiert über Biopiraterie und Genpatente, über Ursachen und Folgen der Finanzkrise, kämpft gegen die Privatisierung von Trinkwasser und die fatalen Mechanismen der Finanzspekulation.
„Nachdem das Verfahren eingestellt wurde, erzählte uns ein Justizangestellter, wie gut er unsere Aktion fand.“
Wie man Mut und Ausdauer für solches Engagement entwickelt? „Ich hatte das Glück, auf sehr engagierte Leute zu treffen“, erzählt Jutta Sundermann: „Dabei war es wichtig zu erleben, dass man gemeinsam auf die Straße gehen und Dinge bewegen kann. Bei vielen Aktionen haben wir Zustimmung und Zuspruch erfahren von Menschen, die ganz ähnlich denken, sich aber bislang nicht trauen, etwas zu unternehmen.“ Zum Beispiel bei der Aktion in der Frankfurter Börse 2008, als Attac ein riesiges Banner über die Grafik des Kursverlaufs hängte mit der Forderung „Finanzmärkte entwaffnen“. „Später standen wir alle vor Gericht. Nachdem das Verfahren eingestellt wurde, erzählte uns ein Justizangestellter, wie gut er unsere Aktion fand.“ Oder als sie im März 2009 ein Plagiat der „Zeit“ mitgestaltete und in einer fiktiven Ausgabe aus dem Jahr 2010 die Folgen der Finanzkrise beschrieb: „Schon bevor das Heft fertig war, erreichten uns täglich viele Emails und Anrufe, weil die Menschen es endlich lesen und verteilen wollten“, erinnert sie sich.
Solchen Zuspruch zählt sie zu den Erfolgen, die ihr Mut machen: „Es geht darum zu vermitteln, dass es auch anders geht, dass nicht alles alternativlos ist“, sagt sie. „Kreativität ist die Stärke sozialer Bewegungen“, erklärt Jutta Sundermann, „sie ermöglicht hohe Glaubwürdigkeit“. Immer wieder informiert sie auch in Wuppertal kritisch über das Engagement des Gentechnikkonzerns Bayer CropScience. Über die „Top Ten des Widerstands“ wird sie beim Dortmunder Frauenfilmfestival berichten. Gehört es zu ihren Grundsätzen, niemals aufzugeben? „Das trifft nicht zu, weil es nach dem Mut der Verzweiflung klingt. Ich genieße meine Arbeit, bin viel unterwegs, viel unter Leuten und fühle mich entspannt. Verzweifelt bin ich nicht, eher zornig und möchte vermitteln, dass wir einschreiten und politische Verhältnisse ändern können."
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