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Von der S-Bahn müssen Pendler nun auf den Bus umsteigen
Foto: Stadt Wuppertal

Ausgedünnt und abgespeckt

22. Januar 2020

Der Verkehrsverbund Rhein Ruhr schickt Wuppertals Pendler aufs Abstellgleis – Nachgefragt 01/20

„Wie andere Städte will auch Wuppertal mehr Menschen dazu motivieren, vom Auto auf Bus und Bahn umzusteigen. Deshalb ist eine gute Nahverkehrsanbindung dringend geboten. Hier sehe ich den VRR in der Pflicht, für einen zuverlässigen Nahverkehr mit ausreichenden Kapazitäten zu sorgen“, heißt es in einem Brief von Oberbürgermeister Andreas Mucke an den Verkehrsverbund Rhein Ruhr. Letzterer hatte angekündigt, dass es ab diesen Winter rund um Wuppertal zu Verschlechterungen im ÖPNV-Angebot kommen werde.

Der VRR selbst spricht von„betrieblichen Verbesserungen“ – ein Hohn für alle Pendler, denen er künftig jeden Morgen wertvolle Zeit stielt.Um eine minimal schnellere Verbindung zwischen den Hauptbahnhöfen Wuppertal und Essen zu erreichen, die stündlich verkehren wird, opfert der VRR den guten Takt der S-Bahn-Linie 9: aus 20- wird 30-minütig. Darüber hinaus soll die Liniebis Mai 2020überhaupt nicht zwischen Wuppertal Hauptbahnhof und Wuppertal Vohwinkel halten, sondern erst in Vohwinkel starten. Vor allem für jene Pendler, die über Wuppertal Hauptbahnhof, Steinbeck, Zoologischer Garten und Sonnborn von und nach Essen fahren müssen, gibt es spürbare Verschlechterungen. 

Pascal Hesse
Foto: Stefanie Lawrenz
​Pascal Hesse, investigativer Journalist für trailer, engels, choices, FOCUS und [recherche|kollektiv].
Er ist im Vorstand DJV NRW.

'Nachgefragt: Der Weg des Geldes' ist seine Kolumne

Ein weiteres Problem besteht darin, dass es an Wochenenden nur noch stündlich eine S-Bahn-Verbindung zwischen Oberbarmen und Hagen geben soll. Ein stündlicher Bus als Schienenersatzverkehr ist da wahrlich keine akzeptable Lösung. Grund für die Verschlechterungen sei das fehlende Personal, macht OB Mucke seinem Unmut Luft und ergänzt in seinem Brief süffisant: „Ich bitte daher zu prüfen, inwieweit die Betreiber künftig dazu verpflichtet werden können, verstärkt Lockführer und Zugpersonal selbst auszubilden. Das könnte Teil künftiger Ausschreibungen sein.“

Nachgefragt beim VRR, warum derartgravierende Änderungen überhaupt vorgenommen werden, ist sichVorstandssprecher Ronald R.F. Lünser offenbar keinerlei Schuld bewusst:„Der VRR stellt auf mehreren S-Bahn-Linien den heutigen 20-Minuten-Takt auf einen stärker nachfrageorientierten 15/30-Minuten-Takt um, um das S-Bahn-System besser auf das übrige SPNV-Angebot mit Regionalexpress, Regionalbahn und RRX abzustimmen und Pendlerströme zu beschleunigen. Wir verkürzen auf einigen Linien die Reisezeiten, schaffen neue Direktverbindungen und stärken die Nord-Süd-Verkehre. Insgesamt legen die Züge künftig etwa zwei Millionen zusätzliche Kilometer pro Jahr im VRR zurück.“ Wo wir wieder beim Hohn wären, den alle betroffenen Pendler aus diesen Zeilen lesen müssen. Das geänderte Betriebskonzept bringe punktuell einige nachteilige Veränderungen im Netz mit sich, etwa an einigen „nachfrageschwächeren S-­Bahn­-Stationen“, ergänzt der VRR dann doch und schreibt weiter: „Bei einem stärker nachfrageorientierten Takt-System sind Taktverlängerungen leider unvermeidbar. Der VRR beobachtet die kritischen Punkte. Ob Anpassungen möglich sind, gilt es zu prüfen.“

Sinnvoll gewesen wäre derartiges vorher zu prüfen und ebenso, ob man die Verkehrswende mit gehen will oder nicht. Denn die Menschen – außerhalb der Metropolen im Verbundgebiet – steigen wohl kaum auf Bus und Bahn um, wenn sie mit dem Auto schneller ans Ziel kommen. Einen Takt auszudünnen statt das Gesamtangebot umfangreich zu erweitern, zeigt: der VRR hat die Zeichen der Zeit mal wieder nicht erkannt.


Rückblick: Nachgehakt – Ehrenamt fördern

„Die über 1000 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr brauchen eine optimale Ausrüstung, moderne Räumlichkeiten und mehr Anerkennung. Sie riskieren bei ihren Einsätzen Leib und Leben“, sagt Oberbürgermeister Mucke. Deshalb investiert die Stadt in den nächsten Jahren in die Neubauten der Gerätehäuser. Konkret werden in den kommenden Jahren in Dornap 1,8 Mio. Euro, in Cronenberg 2,95 Mio. Euro und in Vohwinkel 2,8 Mio. Euro in die Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehr investiert.Jederzeit einsatzbereit zu sein, zu helfen und eine große Verantwortung für andere zu tragen – das verdient für den Rathauschef gleichsam mehr Anerkennung. Deshalb wird die jährliche Aufwandspauschale für Funktionsträger der Freiwilligen Feuerwehr von insgesamt 19.000 Euro auf 41.000 Euro mehr als verdoppelt.

 

Pascal Hesse

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