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Der Gemeinschaftsgarten in Bochum-Hamme lädt zum Mitmachen ein
Foto: Miriam Brost

Zwischen Saat und Kompost

30. August 2022

Im Gemeinschaftsgarten Grünstich in Bochum-Hamme – Teil 3: Lokale Initiativen

In den letzten Wochen hat sich im Gemeinschaftsgarten Grünstich einiges getan: neu hinzugekommen sind drei große Hochbeete, eine Regentonne, ein neuer Komposthaufen, eine Feuerschale und Tische für das Beisammensein. Entstanden ist die Idee, den Garten für die gemeinsame Bewirtschaftung für die Nachbarschaft zu öffnen, aus einer gemeinsamen Radtour der Lebensmittelinitiative EssBO (Essbare Stadt Bochum) und den ehemaligen Stadtteilkoordinatoren zur Vorbereitung des Quartiersmanagement in Bochum-Hamme, Martin Müller und Patrick Ritter. Eigentlich sollte das „Naschwiesenpotential“ Hammes ausgekundschaftet werden, dabei stießen sie auf den Garten des Pfarrhauses an der Kreuz-Kirche von Pfarrer Bernd Hauschild und dessen Frau Christina Brammen. Ein Garten, der immer mal wieder unter anderem von Studierenden der Uni Bochum bewirtschaftet wurde, jetzt aber neue Gärtner:innen suchte und eine Nachbarschaft, die sich im Gärtnern üben wollte. Ein erstes Treffen im September des letzten Jahres machte die Sache klar: Hier soll neues Wachstum entstehen und alle dürfen mitmachen.

Gemeinsames Gärtnern

In einem so dicht besiedelten Stadtteil wie Hamme hat nicht jede:r einen Garten, und womöglich fehlen nicht nur der Platz, sondern auch Mittel und Wissen zum Gärtnern. All dieses verändert sich in der Gemeinschaft, wenn Menschen mit unterschiedlichen Kenntnissen und Fähigkeiten zusammenkommen und sich miteinander an den verschiedenen Pflanzen und Gemüsesorten ausprobieren. Begeisterung für Gartenarbeit soll geweckt werden, das gemeinsame Lernen und Erfahren, aber auch Feiern rund um die Feuerschale lassen die Nachbarschaft enger zusammenrücken.

Wachstum statt Konsum

Auch die „Beziehung“ zum Gemüse verändert sich durch das gemeinsame Säen, Gießen und Ernten. Die Frage, ob selbstgezogenes Gemüse besser ist als Gemüse aus dem Supermarkt, lässt sich nach Martin Müller und Patrick Ritter ganz klar mit einem „Ja!“ beantworten. Die Gründe dafür sind vielfältig: besserer Geschmack, eine höhere Wertschätzung der Nahrung, die Möglichkeit, gemeinsam mit Kindern zu gärtnern und zu lernen, und nicht zuletzt, wie Patrick Ritter anmerkt, auch die zumindest teilweise Loslösung von der industriellen Versorgung mit Lebensmitteln. „Wenn wir nur ein Essen im Monat durch unseren eigenen Ertrag decken können, hat das einen großen Nachmacheffekt, den so ein Garten ausstrahlen kann“, sagt er.

Bio und divers

Die Umwelt ändert sich, wenn die Flächen im Viertel nachhaltig genutzt werden. Verschiedene einjährige Gemüsepflanzen, mehrjährige Stauden, Beerenbüsche und Obstbäume ermöglichen eine Bewirtschaftung fast das ganze Jahr über, Blüteninseln helfen Insekten. Tiere besetzen im naturnahen Garten ökologische Nischen zunutze, beispielsweise ist die Erdkröte im Kompost ein gern gesehener Gast. Vielfältig sei der Garten schließlich auch in anderer Hinsicht, wie Martin Müller betont: Der Gemeinschaftsgarten sei nachhaltig, nicht nur wegen der sich einstellenden Biodiversität, sagt er, sondern auch wegen der unterschiedlichen beteiligten Menschen und Initiativen, die den Garten aus unterschiedlichen Motiven und vor unterschiedlichen Hintergründen gemeinsam gestalteten.

 

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Miriam Brost

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