Mehr Service, größere Flexibilität, alles sollte besser werden für die Kunden, so zumindest versprachen es die Verfechter bedingungsloser Privatisierungen. Was es damit auf sich hat, erfahren Stephanie Glauner und ihre Familie derzeit hautnah in einem ermüdenden Fortsetzungsdrama. Hauptakteur: die Telekom, zuständig für die Versorgung der Haushalte mit Internetleitungen und Profi in Sachen Abtauchen und Aussitzen.
Kein lachender Talkmaster sprang aus dem Gebüsch
„Am 22. August buchte ich in einem Telekomshop das Entertainment-Paket“, erzählt Stephanie Glauner. Telefonieren, Surfen, Fernsehen, alles in optimaler Qualität, das passte gut zum Einzug in das neue Haus im Neubaugebiet an der Ursula-von-Reibniz-Straße. „Ich erhielt keine Auftragsbestätigung. Die sollte bis zum 19. September per Post kommen, zusammen mit einem Termin für die Installation und Freischaltung“. Auf die Frage, weshalb es mehr als einen Monat brauche, um diesen Auftrag zu bestätigen, erhielt Glauner keine Antwort. Als am 19. Oktober immer noch nichts im Briefkasten war, rief die ratlose Möchtegern-Kundin bei der Hotline an. Nach einer Verbindungsodyssee durch das Service-Labyrinth des Telefonmultis wurde ihr mitgeteilt, dass ihr Auftrag derzeit technisch nicht realisierbar ist und jemand aus der Technik ihr dies erklären kann. Einen Ansprechpartner bei der Technik gebe es jedoch nicht. Weil nirgendwo ein lachender Talkmaster aus dem Gebüsch sprang und alles zum skurrilen Witz erklärte, wandte sich die junge Frau entschlossen an einen alten Schulfreund und Mitarbeiter der Telekom, durch den sie schließlich Gehör fand beim abgeschotteten Telefonriesen: „Er setzte meine Beschwerde auf eine interne Liste, und wenige Tage später fragte jemand aus einem sogenannten Troubleshooting-Center nach.“
Immerhin kam kurz darauf ein Termin für Installation und Freischaltung: „Am 28. Oktober sollte ein Mitarbeiter kommen, in einem Zeitfenster von sechs Stunden.“ Weil jedoch niemand kam, wandte sich Glauner mit dem Mut Davids gegen Goliath erneut an die Hotline, wählte sich durch, flog aus der Leitung und bekam – endlose Warteschleifenjingles später – eine Zusage für den 31. Oktober. „Es kam auch ein Techniker, der nicht verstand, warum man die analoge Telefonleitung nicht schon im August angeschlossen hatte.“ Ein digitaler Anschluss aber konnte nicht zeitnah bereitgestellt werden. „Das Problem ist, dass die Telekom sich völlig verkalkuliert und die gesamte Anlage für die Neubausiedlung hoffnungslos unterdimensioniert hat“, erklärt Stephanie Glauner. Und ans Nachrüsten denke beim Monopolisten Telekom derzeit niemand: „Gerade werden neue Häuser gebaut. Vermutlich wartet die Telekom mit dem Nachrüsten, bis alle Grundstücke bebaut sind.“ Digitales Fernsehen und Internetzugang rücken damit für Stephanie Glauner in weite Ferne.
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