Es klingt wie eine digitale Utopie. Man stelle sich vor, es gäbe Internet für alle, es wäre immer und überall verfügbar, ohne zentrale Zugangskontrolle und dabei auch noch weitgehend kostenfrei. Genau das ist die Vision des Netzwerks Freifunk. „Die politische Idee dahinter ist, ein freies für jeden zugängliches Bürgernetz zu realisieren“, erzählt Ralf Gloerfeld. Er ist Mitglied von Freifunk Rheinland e.V., einem Zusammenschluss von Freifunkern aus Neuss, Solingen, Düsseldorf und Wuppertal, und bemüht sich seit 2009 darum, entlang der Wupper ein Freifunk-Netz aufzubauen. Die notwendige Technik ist einfach. Man nimmt eine Reihe von handelsüblichen Routern, wie man sie z. B. für das WLAN-Netz in der eigenen Wohnung oder WG betreibt. Auf diese spielt man eine spezielle Software, die von den Freifunkern entwickelt wurde und die diese Geräte miteinander vernetzt. Somit vergrößert sich das Netz mit jedem weiteren Gerät und deckt schließlich einen großen Teil des Stadtgebiets ab. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. „Das nächste Etappenziel wird die Verbindung der schon bestehenden Freifunkinseln in Wuppertal sein“, beschreibt Gloerfeld den heutigen Stand des Projekts. „Wir haben zudem mit einem Konzept zur Vernetzung der gesamten Schwebebahntrasse bei dem Wettbewerb ‚Wir wuppen das‘ teilgenommen.“ Einen Preis haben die Freifunker nicht gewonnen, aber die Stadtwerke Wuppertal werden das Konzept veröffentlichen, was vielleicht neue Unterstützer bringt.
„Die hügelige Stadtstruktur ist von Vorteil“
Aber ist es nicht schwierig, in einer hügeligen Stadt wie Wuppertal ein Freifunk-Netz aufzubauen? „Die hügelige Stadtstruktur ist von Vorteil, wenn wir hohe Gebäude wie Kirchtürme miteinbeziehen“, meint Gloerfeld. Ein nächster Schritt sei daher, Kirchengemeinden auf eine mögliche Teilnahme am Freifunk-Netz anzusprechen. Aber damit ist es nicht getan. Auch Privatpersonen können Teil des Freifunk-Netzes werden, indem sie einen Router freigeben oder einen der speziellen Freifunk-Router bei sich aufstellen. „Der Stromverbrauch eines solchen Routers ist marginal, und die technische Betreuung würden wir übernehmen.“ Denn auch wenn die Freifunker die technischen Hindernisse mittlerweile gut überwinden können, bleiben trotzdem Bedenken bei den Bürgern. Grund dafür ist die Rechtslage: Wer seinen Internetanschluss zur Mitbenutzung freigibt, wird momentan dafür zur Rechenschaft gezogen, wenn jemand anderes damit etwas Illegales tut. Aber auch dieses Problem lässt sich lösen, findet Ralf Gloerfeld: „Wenn wir die Inseln der bestehenden Freifunknetze für die Erweiterung nutzen können, dann brauchen Bedenkenträger ihren Internetzugang nicht freigeben. Sie nutzen dann einfach einen vorhandenen Zugang der anderen Freifunker zum Internet.“
Wuppertaler Freifunkstammtisch: jeweils 4. Freitag im Monat | freifunk-rheinland.net
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Ein Vierteljahr ohne Telefon
Auch beim ehemaligen Monopolisten gibt es Katastrophen – Thema 12/11 Die Netze
Von Netzen, Fischen und Fischern
Die Märkte für Energie und Telekommunikation sind im Umbruch – THEMA 12/11 DIE NETZE
„Netze gehören wie Straßen in die öffentliche Hand“
Hermann Ott über die Wahl des richtigen Stromanbieters und über die Zukunft der Netze – Thema 12/11 Die Netze
„Die grauen Zeiten sind vorbei“
Thomas Bradler über den Wandel auf dem Telekommunikationsmarkt – Thema 12/11 Die Netze
Perfektes Versagen
Intro – Systemstörung
Die Hoffnung schwindet
Teil 1: Leitartikel – Die Politik bekämpft nicht den Klimawandel, sondern Klimaschützer:innen
„Weit von einer erheblichen Gefahr für die öffentliche Sicherheit entfernt“
Teil 1: Interview – Die Rechtswissenschaftlerin Lisa Kadel über die Kriminalisierung von Klimaaktivist:innen
Klimaprotest im Wandel
Teil 1: Lokale Initiativen – Extinction Rebellion in Wuppertal
Drehtür in den Klimakollaps
Teil 2: Leitartikel – Hinter mächtigen Industrieinteressen wird die Klimakrise zum Hintergrundrauschen
„Kernziel der Klimaleugner: weltweite Zusammenarbeit zerstören“
Teil 2: Interview – Politologe Dieter Plehwe über die Anti-Klimaschutz-Bewegung
Dem Klima verpflichtet
Teil 2: Lokale Initiativen – Die Initative Klimawende Köln
Welt statt Wahl
Teil 3: Leitartikel – Klimaschutz geht vom Volke aus
„Nicht versuchen, die Industrie des 19. Jahrhunderts zu retten“
Teil 3: Interview – Meteorologe Karsten Schwanke über Klimaschutz und wirtschaftliche Chancen
Klimaschutz braucht (dein) Engagement
Teil 3: Lokale Initiativen – Die Bochumer Initiative BoKlima
Klimaschutz als Bürgerrecht
Norwegen stärkt Engagement für Klimaschutz – Europa-Vorbild: Norwegen
Durch uns die Sintflut
Der nächste Weltuntergang wird kein Mythos sein – Glosse
Vorwärts 2026
Intro – Kopf oder Bauch?
Noch einmal schlafen
Teil 1: Leitartikel – Ab wann ist man Entscheider:in?
„Zwischen Perfektionismus und Ungewissheit“
Teil 1: Interview – Psychiater Volker Busch über den Umgang mit schwierigen Entscheidungen
Weil es oft anders kommt
Teil 1: Lokale Initiativen – Gut aufgestellt in Wuppertal: Pro Familia berät zu Schwangerschaft, Identität und Lebensplanung
Worüber sich (nicht) streiten lässt
Teil 2: Leitartikel – Wissenschaft in Zeiten alternativer Fakten
„Dass wir schon so viel wissen, ist das eigentliche Wunder“
Teil 2: Interview – Neurowissenschaftlerin Maria Waltmann über Erforschung und Therapie des Gehirns
Über Grenzen hinweg entscheiden
Teil 2: Lokale Initiativen – Das Experimentallabor Decision Lab Cologne
Mieter aller Länder, vereinigt euch!
Teil 3: Leitartikel – Der Kampf für bezahlbares Wohnen eint unterschiedlichste Milieus
„Glaubwürdigkeit ist ein entscheidender Faktor“
Teil 3: Interview – Sprachwissenschaftler Thomas Niehr über Sprache in Politik und Populismus