Bei einer Umfrage wird eine Passantin gefragt, ob sie digitale oder analoge Massenmedien bevorzuge. Ihre spontane Antwort fällt knapp aus: „Ich mag Dialoge!“ Tatsächlich trifft der vielleicht unabsichtliche Versprecher das Problem der heutigen Medienlandschaft auf den Kopf. Die Menschen verlangen inzwischen aktive Gestaltungsmöglichkeiten. Und das ist tatsächlich der entscheidende Vorteil der dialogisch-digitalen Medienwelt. Das Problem der Zeitung war seit jeher, dass eine elitäre Minderheit die öffentliche Meinung formen konnte. Leserbriefspalten versuchten, die Einbahnstraße der Print-Medien in beide Richtungen etwas durchlässiger zu machen. Heutzutage ist die Beteiligung der Medienkonsumenten bei allen Sparten angekommen.
Besonders Das weltweite Netz sich besonders durch flache Hierarchien aus und dort vor allem durch die sogenannten „sozialen Plattformen“. Jeder kann zu allem und jedem etwas schreiben. Wenn man die maximal 5.000 Facebook-Freunde, die man haben darf, gleichberechtigt zu Wort kommen lassen würde, entstünde eine digitale Kakophonie. „Als würden in einer überfüllten Kathedrale alle Menschen gleichzeitig laut reden“, beschreibt diesen Albtraum ein Facebook-Abstinenzler. Auch die Qualität der Beiträge lässt manchmal zu wünschen übrig. Ob ein grüner Bundestagsabgeordneter gerade seinen Zug verpasst hat, muss den gesamten Planeten nicht zwingend interessieren. Trotzdem bergen die Netzwerke riesige Chancen. Für die Demokratiebewegungen im arabischen Raum waren und sind die neuen Medien eine vortreffliche Möglichkeit, Gegenöffentlichkeit herzustellen und den Protest zu koordinieren. Aber auch hierzulande findet eine - wenn auch schleichende - Revolution statt. Die Medien hoffen, mit Hilfe der technischen Revolution, die digitale Verbreitungswege in den Lebensmittelpunkt vieler Menschen stellt, ihre Inhalte besser verbreiten zu können. Artikel kann, trifft er den Nerv des Augenblicks, millionenfach verbreitet werden, statt in einer auflagenschwachen Gazette sein tristes kurzes Dasein zu fristen.
Facebook: Als würden in einer überfüllten Kathedrale alle Menschen gleichzeitig laut reden
Bleiben natürlich die Fragen: „Wer soll das bezahlen?“ und „Wer hat das bestellt?“ Dieses Dilemma in der digitalen Welt nicht so leicht zu lösen. Ähnlich wie andere Kreative, vor allem Schriftsteller, Filmemacher und Musiker, leiden auch Journalisten und Verlage an der Kopierbarkeit ihrer Arbeit. Qualitätsjournalismus, so unken die Skeptiker, hat ihren Preis und wenn dieser nicht bezahlt wird, stirbt er aus. Es zirkulieren mittlerweile verschiedene Modelle, wie Urheberrechte in Zeiten des Internets gewahrt werden können. Die New York Times experimentiert mit einer Pay-Wall. Der Nutzer muss ab einer gewissen Textmenge bezahlen. Hierzulande schrecken viele Verlage vor solchen Erlösungsmodellen zurück, um die Verbreitung der Produkte nicht zu behindern. Allerdings zeigt sich auch, dass mit Werbung allein ein attraktives Internetangebot nicht zu finanzieren ist. Müssen also erst alle Zeitungen sterben, bis die Leser begreifen, dass Kreativität nicht aus der Telefonsteckdose kommt, sondern mühsam produziert werden muss?
Müssen erst alle Zeitungen sterben, bis wir begreifen, dass Kreativität nicht aus der Telefonsteckdose kommt?
Gerade der Lokaljournalismus bekommt aus dem Netz viel Konkurrenz. Viele Informationen, die die Lokalseiten der Zeitung früher vermittelten, sind inzwischen auf jedem modernen Handy abrufbar. Egal, ob es um die Wasserqualität der Badeseen, die Ratsbeschlüsse der vergangenen Woche oder die Gastro-Kritik der benachbarten Pommes-Bude geht: das smarte Mobiltelefon gibt stets Auskunft. Nur beim investigativen Journalismus stößt das Googeln an seine Grenzen. Ob und welcher Lokalpolitiker gerade wieder eine Dienstreise von einem Energiemulti bezahlt bekommen hat, ist nicht durch einfache Internet-Recherche zu erfahren. Um diese Lücke zu schließen, etablieren sich zunehmend Blogs, die sich um die lokalpolitischen Unebenheiten kümmern. Das Portal wupperblock.de ist zugegebenermaßen nicht ganz aktuell, der letzte Beitrag stammt vom Januar. Tagesaktuell und auch mit seinem journalistischen Anspruch eher eine digitale Lokalzeitung berichtet „OZ“, eine aus Burscheid stammende Online-Zeitung, aus Wuppertal. Aber auch den Internet-Angeboten der Westdeutschen Zeitung und des Lokalsenders Radio Wuppertal gelingen engagierte Berichterstattungen. Inzwischen erweitern viele Angebote für Internetfernsehen die lokale Berichterstattung der klassischen Medien. Die Seite „TALTV“ der Initiative Friedrichstraße hat schon über 60 Filmreportagen ins Netz gestellt. Die Filmproduktionsgesellschaft „ach nee TV“ ist mit über 160 Beiträgen auf YouTube zu sehen. Trotzdem wird in Zukunft niemand auf das gute alte Papier verzichten können. Warum? Weil man mit dem digitalen Tablett nicht in der Badewanne liegen sollte!
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