Wildes Durcheinander herrscht zur Nachmittagszeit vor der Kindertageseinrichtung. Viele Eltern holen ihre Kinder ab. Aufgeregt zeigt ein kleiner Junge afrikanischer Herkunft seiner Mutter stolz einen kleinen Weihnachtsbaum aus Pappe. Kleine Styropor-Kugeln, die rot angemalt sind, dienen als Weihnachtsschmuck. „Guck mal, Mama, was ich gebastelt habe!“
Zunächst schaut die Angesprochene nur irritiert. Der kleine Junge guckt ein wenig enttäuscht, als die Antwort verspätet kommt und anscheinend unzureichend ausfällt. „Ja“, sagt sie freundlich und sucht nach weiteren Worten. „ Is‘ schön.“ Tatsächlich, so berichtet Einrichtungsleiterin Barbara Fraszczak, gebe es innerhalb der Familien, in denen die Eltern Migranten sind, erhebliche Unterschiede in der Sprachkompetenz. Während die Kinder durch die intensive sprachliche Förderung im Kindergarten schnell fast so sprachgewandt sind wie die einheimischen Mädchen und Jungen, hinken die Fähigkeiten bei den Eltern oft hinterher. Um auch den Erwachsenen zu helfen, veranstaltet die Einrichtung regelmäßig Eltern-Kind-Nachmittage, in denen ein ungezwungener Umgang zwischen allen Beteiligten für ein fast unmerkliches, aber angenehmes Lernfeld sorgt. Auch ein Elterncafe wird angeboten. Trotzdem weiß Barbara Fraszczak: „Kinder lernen oft schneller als Erwachsene.“
Wir konzentrieren uns zuerst auf die jeweiligen Stärken unserer Kinder
Die Kinder untereinander verstehen sich unabhängig von ihrer Herkunft gut. Wenn es mal Ärger gibt, dann nie wegen der unterschiedlichen kulturellen Prägung der Eltern. Dies mag auch daran liegen, dass sich der Kindergarten an der Kurlandstraße in anderer Hinsicht als integrative Einrichtung versteht. Sowohl Kinder ohne wie auch mit Behinderung werden aufgenommen. Dies ist keine Selbstverständlichkeit bei Wuppertals Kindertageseinrichtungen. Dies, so erklärt Barbara Fraszczak, habe etwas mit dem christlichen Menschenbild des Trägers zu tun. „Jeder Mensch ist wertvoll“, erklärt die Leiterin der Einrichtung. „Wir konzentrieren uns zuerst auf die jeweiligen Stärken unserer Kinder.“ Da spielt es kaum eine Rolle, ob Kinder fehlende sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten aufgrund der Herkunft oder einer Behinderung haben.
Insgesamt erlebt Barbara Fraszczak die Kinder mit Migrationshintergrund als Bereicherung. Selbstverständlich müssen die Kinder nicht an den Gottesdiensten teilnehmen, wenn die Eltern dies nicht wünschen. Allerdings kam der Nikolaus zu allen Kindern. Und am Ende des Ramadan zum Zuckerfest brachten die Mütter der Kinder islamischen Glaubens für alle Süßigkeiten mit in den Kindergarten. Entsprechend kann dies auch im Konzept der Einrichtung nachgelesen werden: „Mit den Kindern in unserer Tageseinrichtung den Glauben leben bedeutet auch, die Menschen anderer Konfessionen und Religionen zu akzeptieren und sie in ihrem Glauben zu achten.“ Es wäre schön, wenn alle Menschen in Wuppertal solche Grundsätze beherzigen würden.
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