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Foto: Laura Schenk

Innerer Aufbruch

06. März 2020

Wohnen in der Politik im Foyer des Schauspielhauses Bundesallee – Spezial 03/20

Das dreiwöchige Projekt „Wohnen in der Politik“ bringt nicht nur Leben in die (noch) verwaiste Adresse an der Bundesallee – die Gänge voll alter Möbel, viel Aufbauarbeit im Foyer – nein, es geht um etwas Handfestes, nämlich Kommunalpolitik, allerdings ziemlich unkonventionell.

Das Kollektiv ZOO lädt bis zum 29.3. zu Themenabenden, Workshops und mehr, und sie tun das in einem Rahmen, der bewusst ans Wohnen anknüpft. „Sich in der Welt verorten“: So verstehen Iris Ebert, Christoph Rodatz und Pierre Smolarski das Wohnen ganz grundsätzlich, und auf der Foyerfläche im alten Schauspielhaus, wo zur Ära Treskow moderne Dramatik gespielt wurde, hat es Gestalt angenommen. Zehn Räume wurden aus Brettern gezimmert, weiß gestrichen und stehen nun für zehn Wuppertaler Bezirke. Zum Auftakt waren die zehn dort jeweils zuständigen Bezirksbürgermeister mit einer Performance vorgesehen, und schon zuvor zog langsam Leben ein.

Ans Wohnen will das Programm im Rahmen ständig gemahnen. So wird der Aktivist Tobi Rosswog am 11.3. zum Anliegen „geldfreier leben“ nicht nur referieren, vielmehr erwartet die Besucher eine WG-Führung durch den frisch errichteten Komplex aus rechteckigen Räumen. Urbane Sicherheit wird am 19.3. stilecht per Tischgespräch verhandelt. Das sich auch am 25.3. anschließen soll, nachdem zuvor Kompetenzen eingeübt wurden zur „kreativen Aneignung öffentlicher Räume“.

Dass man sich in eben solch einem ansiedelt, ist Teil des Konzepts, für das Dagmar Beilmann von der börse federführend ist. Der Vorplatz an der Bundesallee selbst hat ja übrigens seine eigene Szene mit Teenagern wie auch Obdachlosen, was dann auch laut den Akteuren Teil des Settings ist. Hierher verlegt auch das Freie Netzwerk Kultur seinen jour fixe, sowie der Beirat Bürgerbeteiligung seine öffentliche Sitzung. Und zur Ausstellung kommen kann man schon nachmittags fast jeden Tag.

Wer nun ob des sachlich klingenden Programms gezweifelt hätte: Etwas künstlerisch-verrückt ist das alles aber doch. Auch wer das kreative Chaos im Vorfeld nicht erlebt hat, wird dem zustimmen mit Blick auf die nicht ganz alltägliche Art der Raumnutzung durch die Macher: Sie werden in den schneeweißen Zimmerchen nicht nur reden, empfangen und organisieren, sondern auch übernachten. Spätestens mit dieser sehr praktischen Nutzung wird wohl auch klar, dass der Rahmen keineswegs nur Kulisse ist.

Martin Hagemeyer

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