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Denken im Material

27. Februar 2019

Tony Cragg im Skulpturenpark Waldfrieden – kunst & gut 03/19

Bereits auf dem in Serpentinen steil bergan zum Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal führenden Weg begrüßen die Besucher monumentale Skulpturen und Plastiken des Bildhauers Tony Cragg (*1949), die den Auftakt bilden zu seiner momentan im Glaspavillon am Eingang des Parks präsentierten Ausstellung „New Works“. In der lichtdurchfluteten, nach allen Seiten hin durch Glasfronten geöffneten kleinen Halle geben sechs frei stehende Arbeiten einen Einblick in aktuelle Werkentwicklungen des ursprünglich aus Liverpool stammenden und seit 1977 in Wuppertal lebenden und arbeitenden Künstlers, der zugleich der Inhaber des Parks ist. Zwei hoch aufragende Holzskulpturen nehmen mit dem Titel „Stack“ Bezug auf frühere Arbeiten aus den 1970er Jahren, als Cragg noch vorgefundene Materialien verwendete und Abfallprodukte und Alltagsgegenstände zu Installationen aufschichtete. Die beiden neuen „Stacks“ von 2018 bestehen aus unzähligen Holzschichten, die, in halbjähriger mühevoller Arbeit aufeinander geklebt, ineinander verschränkte 2,20 und 2,80 Meter hohe Säulen bilden, die durch anschließende Bearbeitung in Bewegung versetzt scheinen. Hier wird sein Interesse für geologische Prozesse wie Ablagerungen von Sedimenten deutlich, durch die neue Formen entstehen, in denen sich Zeit manifestiert.

Eine weitere Werkreihe wird repräsentiert durch eine ebenfalls monumentale Plastik aus Cortenstahl der Serie „Lost in Thought“ (2018). Das Modell für die in sich verschachtelte Figur, deren Vorgänger-Versionen derselben Serie aus Holz produziert wurden, wurde hier aus einem neuartigen Kunststoffmaterial gefertigt, das ein freieres Arbeiten ermöglichte. Eine die Plastik von außen großflächig umfangende, durchbrochene Hülle gibt den Blick auf innerhalb liegende, in sich verschlungene Gebilde frei. So wie Menschen innere Bewegungen durch eine schützende Fassade verbergen und sich einkapseln, verdeckt auch hier die äußere Schicht das Innenleben der Figur, die sich auf diese Weise zu schützen scheint.

Die im Glaskubus gezeigten Arbeiten halten auf wunderbare Weise mit den im Park verstreuten Skulpturen Zwiesprache – so ist durch die Scheibe in unmittelbarer Nachbarschaft „Large Interior Form“ (1981/82) von Henry Moore sichtbar und unter einer Magnolie schimmert Craggs „It is, it isn’t“ (2012) silbrig in der Sonne. Regelmäßig stellt Cragg in seinen Räumlichkeiten Arbeiten anderer Bildhauer aus und versammelt in seinem Skulpturengarten nicht nur eigene, sondern auch fremde Arbeiten und macht sie seit 2008 der Öffentlichkeit zugänglich. Auf diese Weise schafft er sich sein eigenes Verwandtschaftssystem und wirft in unterschiedlichen Ausstellungssituationen Fragen nach Aufgabe und Funktion von Kunst im öffentlichen und im privaten Raum auf. Seine aktuell als „New Works“ präsentierten Arbeiten wirken trotz der Transparenz des musealen Raums neben den frei in der Landschaft stehenden Werken beinahe eingesperrt und seltsam konserviert. Die Show ermöglicht jedoch erst das konzentrierte Studium von Craggs „Denken im Material“, durch das er unterschiedliche Seinsformen und das Verhältnis von Kunst und Natur erforscht: „Es [gibt] viel mehr Dinge, die nicht existieren, als die existieren“, sagt Cragg, und als ich zu meiner Entdeckungstour durch den Park aufbreche, glaube ich ihm sofort.

Tony Cragg – New Works | bis 12.5. | Skulpturenpark Waldfrieden | 0202 47 89 81 20

Corinna Kühn

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