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Heike Kati Barath, o.T., 2015, Öl auf Leinwand, 150 x 200 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn; Foto: Jens Weyers, Bremen

Lobpreis der Malerei

28. September 2017

Heike Kati Barath erhält den Karl-Ernst-Osthaus-Preis in Hagen – kunst & gut 10/17

Die Hohe Kunst der Einladungskarte: Die Karte, die Heike Kati Barath zu ihrer Ausstellung und zur Verleihung des Karl Ernst Osthaus-Preises im Osthaus Museum Hagen entworfen hat, ist ein engagiertes Bekenntnis zur Tradition dieses Museums. Heike Kati Barath interpretiert auf ihr zeichnerisch Symbolismus, Expressionismus und Jugendstil als herausragende Kunststile der Sammlung und der Architektur des Hauses. Nach seinem Gründer ist der Preis für figurative Kunst benannt, der im Hagener Museum im zweijährigen Turnus verliehen wird und bundesweite Beachtung findet.

Heike Kati Barath lebt und arbeitet als Malerin in Berlin, seit einigen Jahren unterrichtet sie als Professorin an der Kunsthochschule Bremen. Sie wurde 1966 im württembergischen Vaihingen/Enz geboren und hat an den Kunstakademien in Gent und in Münster studiert, dort in der Hauptsache bei Ulrich Erben, einem der renommiertesten Farbfeld-Maler in Europa. Vielleicht hat sie in seiner Klasse ihre so eigene Nuanciertheit der Farben entwickelt. Das gilt etwa für die Haut ihrer Figuren mit den Rötungen und Unreinheiten oder für das Blau des Himmels, das vom Weiß der Wolken durchschossen ist. Aber es betrifft auch das Verfahren, mit Acrylfugendichter dicke plastische Linien für die Haarsträhnen über der eigentlichen Malerei aufzutragen.

Barath malt vor allem Kinder und Jugendliche in der Pubertät, meist Mädchen, bildfüllend als Einzelne auf (über-)lebensgroßen Hochformaten. In ihrer Frontalität lassen sie vielleicht an Cartoons oder Mangas denken, wirken in den Accessoires und im Auftreten aber realistisch und ganz von heute. Ein Mädchen ist sogar in sein Smartphone vertieft. Die Figuren stehen uns frontal gegenüber mit einer entwaffnenden Direktheit, ausgestattet mit allen Attributen zum Fremdschämen. Der Lippenstift ist verschmiert, der BH sitzt nicht richtig, die Schamhaare kräuseln aus der Bikini- oder Badehose. Der Hintergrund ist in die Bildtiefe gerückt und weitgehend neutral – fast unscharf – gehalten. Ein helles Blau suggeriert den Strand für die Bikinimädchen, ein tiefes Schwarz die Techno-Clubs für die Jungs im Kapuzenshirt. Die Blicke und die aufrechte Körperhaltung signalisieren trendiges Selbstbewusstsein, unterstrichen durch die Gestik, ja, schon die Haltung des Kopfes und den Blick, die Linie des Mundes… Barath psychologisiert, bereits mit ihrer Entscheidung, Kinder und Jugendliche zu malen und so aktuelle Befindlichkeiten unserer Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen. Bei ihr können die Kinder folglich auch zum Monster werden – überhaupt gibt es ebenso Schrecknisse und das Einbrechen des Bösen in eine Welt des Lieben und Süßen, in der man das gerade nicht erwartet hat.

Dass Heike Kati Barath dabei Kunst- und Filmgeschichte zitiert und auch Figurengruppen mit Yetis oder Aliens malt oder ganz auf Figuren verzichtet, davon konnten sich die Wuppertaler vor wenigen Jahren  in der Von der Heydt-Kunsthalle in Barmen selbst überzeugen. Die Ausstellung im benachbarten Osthaus Museum, so viel verrät Barath in ihrem Atelier, schließt daran an, aber umfasst doch auch etliche neue Elemente. Viele der Bilder hat sie extra für Hagen gemalt. Und sie gestaltet nun ganze Räume installativ, Skulpturen kommen zum Einsatz, Kopfformen hängen von der Decke. Ebenso wie mit ihrer Einladungskarte nimmt Barath mit ihrer Malerei nun auch Bezug auf die Osthaus-Sammlung. So spielt sie auf eine Skulptur von Ernst Ludwig Kirchner an, die damals von Karl Ernst Osthaus für den öffentlichen Raum initiiert, aber nie realisiert wurde.

Der erste Künstler, der 2015 mit diesem vom Hagener Museumsdirektor Tayfun Belgin wiederbelebten Preis ausgezeichnet wurde, war Volker Stelzmann, einer der großen deutsch-deutschen Maler des narrativen Realismus. Heike Kati Barath ist einige Künstlergenerationen jünger. Aber auch sie bestimmt mit ihren Werken den Diskurs der figürlichen Malerei in Deutschland wesentlich mit. Und auch für sie als Preisträgerin gilt: Sie ist die Richtige!

Heike Kati Barath. Mal | 1.10.-19.11. | Osthaus Museum Hagen | Eröffnung mit Preisverleihung am 30.9. um 16 Uhr | 02331 207 31 38

THOMAS HIRSCH

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