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Azade Kökers „Abandoned City“
Foto: Zentrum für Verfolgte Künste Solingen

Auf den Spuren von Prinz Jussuf von Theben

31. Juli 2019

Sieben Künstler auf der Suche nach Heimat – kunst & gut 08/19

Und der Geist Else Lasker-Schülers schwebte über der Wupper und die fließt auch im östlichen Solingen vorbei, wo das Zentrum für verfolgte Künste mit der Ausstellung „The Spirit of the Poet“ auch das bewegte Leben der Elberfelder Literatin assoziiert, die in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag gefeiert hätte und ich bin sicher auch den hätte sie als Prinz Jussuf von Theben bereichert. Zurück nach Solingen: verfolgte Kunst, das schließt zwangsläufig die Gegenwart ein und so hat der designierte Museumsdirektor Jürgen Kaumkötter in den Räumen sieben zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler eingeladen, die das Trauma von Verfolgung, Flucht und Vertreibung selbst erfahren und darüber gearbeitet haben.

Eine mächtige Videoleinwand eröffnet die Ausstellung. Der israelische Künstler Eyal Segal erinnert in dem Video „Lawrence Tree“ an die kolonialen Ursachen, die dem Dauerkonflikt zwischen Juden und Palästinensern eigentlich zugrunde liegen. Ein einsamer Baum im Wadi des Mondes, der von einem Sandsturm verhüllt wird, fragt auch nach unterschiedlichen Begrifflichkeiten für „Heimat“. Der Leinwand gegenüber: Frühe Zeichnungen der Jubilarin, die sich schon mit ihrer Weltsicht beschäftigen. Auch die Türkin Azade Köker beschäftigte sich lange mit Identität und Herkunft, in der Ausstellung mit den Kriegsauswirkungen in Syrien. In den drei Arbeiten über „Aleppo“ montiert sie Fotoschnipsel so, dass sie die eigentliche Optik verwischen und nur noch verzerrte Blicke auf die zerstörte Stadt zulassen, einer fokussiert sogar einen mächtigen Einschlagskrater mit namenlosen Toten. Ursache scheint ein mit harmlosem Polsterstoff überzogenes Bomber-Objekt in der Mitte des Raumes zu sein. Noch immer hört man die orientalischen Klänge vom Eingang.

Auch das Video „La Voyage“ der bosnischen Künstlerin Maja Bajevic thematisiert das namenlose Sterben und durch die Gassen irrende Flüchtlinge mit ihrer Kamera, ihre Dampfmaschine mit Diaprojektor war leider nicht eingeschaltet. Hanaa Malallah kennt die Verursacher für Leid und Vertreibung in ihrer Heimat Irak. Eine zerschossene US-amerikanische Flagge hängt in ihrem Raum über der Installation „Chair“. Auf einem Stuhl, der seine Funktion durch einen Brand verloren hat, sitzt ein Wiedehopf. Die Arbeit aus gefundenen Objekten thematisiert in stiller Direktheit Leid und Überleben der Lebewesen in Kriegsgebieten. Auch Bezüge zum Koran sollen dort implementiert sein. Das einzelne Bild „Zabel Yesayan“ des türkischen Malers Eşref Yıldırım thematisiert im Subtext Mord, Vertreibung und Tod wie kein anderes in der Ausstellung. Das Porträt erinnert an die armenische Dichterin Yesayan, die nach dem Völkermord an ihrem Volk nach Russland floh und dort Opfer der stalinistischen Säuberung wurde.

Und so haben alle in Solingen im Geiste der großen deutschjüdischen Avantgardistin Else Lasker-Schüler gearbeitet und damit auch ein klein bisschen deren Weltanschauung des Widerstands gegen die weltweite Menschenverachtung forciert. Nicht entgehen lassen und unbedingt für die Videostrecken etwas Zeit mitbringen, es lohnt sich.

The Spirit of the Poet | bis 25.8 | Zentrum für verfolgte Künste Solingen | www.verfolgte-kuenste.com

Peter Ortmann

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