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Zwei sehr verschiedene Expressionisten

26. Oktober 2011

Gerd Hanebeck und Hans-Jürgen Hiby im Sparkassenforum Elberfeld – Wupperkunst 11/11

Die Klangstraße, die Georg Zangl zur Wuppertaler Performance-Nacht aufführte, passt zur Ausstellung im Sparkassenforum. Indem das Publikum Sand und Steine auf Metallflächen schüttete oder tropfen ließ, entstanden Klänge und Laute, die etwas Ursprüngliches vermittelten und in ihren besten Momenten einen atmosphärischen Klangteppich webten. Aber aller Sound, dirigiert von Georg Zangl, blieb abstrakt und war ohnehin vorübergehend.

Etwas Elementares, ausgesprochen Expressives kennzeichnet nun auch die Werke von Gerd Hanebeck und Hans-Jürgen Hiby. Beide kümmern sich nicht um Moden; sie orientieren sich beharrlich am Menschenbild und übersteigern vorsichtig dessen Formen und Proportionen, lösen sich darin wieder vom Naturalismus. Bei all dem sind sie versierte Handwerker. Auffällig ist dies bei Hiby, der ein „klassischer“ Bildhauer – im Wortsinn – ist. Er arbeitet materialgerecht mit Stein und Holz, also schlägt heraus und sägt. Oder er baut, umgekehrt, mit Gips wieder auf und gießt dann als Bronze. Dabei verleiht Hiby seinen Skulpturen einen durchaus eleganten „Look“. Die abstrakten Formulierungen lassen sich auf Organisches zurückführen; bisweilen erinnern sie an die Plastiken von Henry Moore. Hibys Körperfragmente stehen für das Ganze. Entsprechend hat er aufragende „Hüllen“ geformt, deren glatte Außenflächen zur schützenden Haut werden und sozusagen einen Kern umfassen – Hiby geht es um das Ganze, die schiere Existenz des Menschen. Das verdeutlichen noch seine Malereien, die der Statik der Skulptur das Bewegte des Pinselstrichs entgegensetzen. Hier sind die Figuren kantig gegeben; ein hauchzarter Farbschleier ist vor sie gelegt, mitunter spielt der Gegensatz von Hell und Dunkel eine Rolle, und sogar der Knochenmann kommt hier, etwas pathetisch, vor. Die Malereien verbinden Dramatik mit einem erzählerischen Ton. Und dabei gelingt, was in der überlebensgroßen dialektisch zweiteiligen Holzskulptur „Der letzte Tanz? Hommage à Pina Bausch“ nicht so gut hinhaut. Schade, dass Hiby gerade hier nicht die Verdichtung und Direktheit seiner anderen Arbeiten gelingt. Hans-Jürgen Hiby, der 1941 in Wuppertal geboren wurde und hier auch lebt, hat 1964/65 bei Fritz Wotruba in Wien studiert – im Grunde setzt er mit seinen Arbeiten dessen Haltung konsequent fort.

Tanz über den Wolken

Danach – und im Sparkassenforum daran anschließend – tut die Leichtigkeit und das Filigrane der Kunst von Gerd Hanebeck gut. Auch Hanebeck ist Wuppertaler, geboren 1939 in Remscheid. Der vergeistigten Erdenschwere von Hiby steht der Tanz über den Wolken in seinen Werken gegenüber – wie schön!

Aber, sind die skulpturalen Werke, die Assemblagen, Collagen und Bilder überhaupt von ihm? In ihrer Motivik und Formensprache, in der Verwendung von Lehm, Holz und Eisen erinnern sie an rituelle Fetische vom afrikanischen Kontinent. Die Figuren sind oft verknappt, die Szenen sind vielfigurig und zeigen etwa Reiter, daneben entstehen kleinteilig gefüllte Kästen. In einzelnen seiner Titel erwähnt Hanebeck die Kultur der Dogan. Er ist von dieser fasziniert. Aber seine Werke hat er doch als wissbegierig Suchender und Findender selbst entwickelt und geformt. Und ist es nicht einfach so, dass er sich für das Ursprüngliche interessiert, wie es auch die sogenannte primitive Kunst kennzeichnet? Auch passt dazu, dass er mit Erdmaterialien arbeitet und Fundstücke integriert, die ihre Geschichte und Verletzlichkeit vor Augen tragen. So entstehen „Reiterfiguren“ aus Terrakotta und die „Afrikaschreine“, die mit Federn verziert sind. Im Grunde ist es kurios: Gerd Hanebeck ist mit seinen Rückgriffen auf archaische Formen und ursprüngliche Völker ausgesprochen zeitgenössisch. Alles steht für den Zugriff zur Verfügung. Indes geht es Hanebeck um Verinnerlichung und Beseeltheit. Wie sehr er seine Werke erarbeitet, erkennt man noch bei den Bildern, bei denen eine schildartige Form dem erdig-braunen oder blauen Grund aufgelegt ist als frontale Figur oder wie eine Lederhaut, die einzelne Szenen schildert, dabei symmetrisch und ornamental organisiert ist. Und dann erkennt man übrigens auch, dass Hanebeck einen feinen Sinn für Farbigkeit hat. Im Sparkassenforum leuchten diese Arbeiten aus sich heraus; die vielen Figurationen, Gestaltungen in den Kästen und auf dem hölzernen Schiff erwachen hier zu Leben – sie werden ihre besondere Freude am „Sound-Walk“ von Georg Zangl gehabt haben.

„Hans-Jürgen Hiby und Gerd Hanebeck: Annäherungen“ I bis 18.11. I Sparkassenforum in Wuppertal-Elberfeld

THOMAS HIRSCH

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