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Joseph Beuys, „und in uns ... unter uns ... landunter“, 5. Juni 1965, 0 - 24 Uhr, Im Rahmen des Happenings 24 Stunden, Galerie Parnass, Wuppertal (Bromsilberabzug auf Papier, schwarzweiß, Risskante unten)
Fotografie: Ute Klophaus © Nachlass Ute Klophaus © für das Werk von Joseph Beuys: VG Bild-Kunst, Bonn, 2021

Fett, Gold und tote Tiere

17. November 2021

Ute Klophaus im Von der Heydt Museum – kunst & gut 11/21

Die Welt ist voller Rätsel, für diese Rätsel aber ist der Mensch die Lösung. Mit dieser eigenen Offenbarung im Gepäck wanderte einst ein Mensch durch die Zeit, erst mutierte er vom fliegenden Bösewicht zum friedvollen Erschaffer von Kunstwerken, wurde Lehrer und Aktionskünstler und lebte früh den Fluxus, das so genannte „fließen lassen“ von Ideen und Möglichkeiten. In diesem Jahr hätte der Mensch Josef Beuys zum 100. Mal Geburtstag gehabt, ein Grund landauf, landab dem Jahrhundertkünstler zu huldigen. Aus dem Zitat: „Ich bin gar kein Künstler. Es sei denn unter der Voraussetzung, dass wir uns alle als Künstler verstehen, dann bin ich wieder dabei. Sonst nicht.“ entstand ein ganzer Kosmos von Fehlinterpretationen eines temporären Daseins in der Zeit.

„Aus der Zeit gerissen“ heißt eine aktuelle Ausstellung im Wuppertaler Von der Heydt-Museum, die Beuys zum Thema hat, aber seine Arbeit aus der Sicht einer Fotografin beleuchtet. Umfassend wie noch nie werden Fotografien von Ute Klophaus aus der Sammlung Lothar Schirmer gezeigt, die viele Aktionen von Joseph Beuys festgehalten haben. Hochkompetent, schwarz-weiß natürlich und mit einer gerissenen Kante an jedem Bild, die für Klophaus wohl den jeweiligen herausgerissenen Moment postulierte. Verteilt auf mehrere Räume werden im Museum weit über 200 Fotografien der 2010 verstorbenen Wuppertaler Fotografin gezeigt. Sie hat Beuys von 1965 bis zu dessen Tod 1986 mit ihrer Kamera begleitet, aber natürlich sind nicht alle Aktionen in der Ausstellung dokumentiert.

Die beginnt chronologisch mit dem „24-Stunden-Happening“ in der Wuppertaler Galerie Parnass am 5. Juni 1965. Das war die erste Aktion, die Ute Klophaus fotografiert hat, mit dabei waren damals auch Nam Jun Paik (mit Charlotte Moorman), Wolf Vostel, Bazon Brock und Dieter Roth. Der konsequent auf einer Kiste hockende Beuys, seit vier Jahren Professor für monumentale Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie, wurde zum Star des aufkommenden Aktionismus der Zeit. Ute Klophaus machte aus dem Tag eher eine Porträtstudie des Künstlers als eine inhaltliche Serie. Die Fotografin hatte ein untrügliches Gefühl für die entscheidende 1/100 Sekunde, in der Mimik, Werk und Zeit kulminierten, das zeigt die Ausstellung sehr eindrücklich. Und am Ende des gemeinsamen Weges in Neapel (Museo di Capodimonte, Palazzo Regale, 1985/86) kommen sogar ein paar Farbaufnahmen von den Innereien der Vitrinen hinzu.

Grenzwertig für die Fotografie bleiben sicher auch öffentliche Performances wie die Schmelzaktion (Zarenkrone –Goldhase) am 30. Juni 1982 bei der berühmten documenta 7 (Leiter: Rudi Fuchs) in Kassel. Beuys schmelzt eine teure Kopie der Zarenkrone Iwans des Schrecklichen ein und in einen goldenen Osterhasen um, während er ekstatisch die Namen bekannter Alchimisten brüllte. Das Spektakel führte (wie immer) zu vehementen Demonstrationen. Ute Klophaus musste sich da im Inner Circle sicher vehement gegen internationale Fotoberichterstatter durchsetzen. Egal, es war ein Spektakulum, das dankeswerterweise die Aktion der „7000 Eichen“ (1982-1987) in der Stadt mitfinanzierte.

Aus der Zeit gerissen | bis 9.01.2022 | Von der Heydt-Museum Wuppertal | 0202 563 62 31

Peter Ortmann

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