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Jankel Adler, Komposition, 1946, Öl auf Leinwand, 88 x 142 cm, Goldmark Gallery/Aukin Collection
© VG Bild-Kunst, Bonn

Im Rausch der Avantgarde

30. Mai 2018

Jankel Adler in einer dialogischen Retrospektive im Von der Heydt-Museum – kunst & gut 06/18

Die Künstlerkollegen wussten, was sie an Jankel Adler hatten. In der Ausstellung, die jetzt sein Werk im Dialog mit weiterer Malerei und mit Skulptur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt, ist er selbst wiederholt gemalt und fotografiert von seinen Freunden aus der Avantgarde des Rheinlandes: Jankel Adler war mittendrin. Schreitet man durch die Räume im Obergeschoss des Museums, so macht man zugleich die Beobachtung, dass Jankel Adler eine Art künstlerisches Chamäleon gewesen sein muss, aber nicht als Nacheiferer, sondern Mit-Erfinder. In den drei Jahrzehnten, die ihm für seine Malerei geblieben sind, deckt er ein weites stilistisches Spektrum vom Realismus und Expressionismus bis hin zum Kubismus und zur Abstraktion ab. Vielleicht hängt das mit seinem unsteten Leben zusammen, den vielen wechselnden Wohnorten als jüdischer Pole, der vor der Nazi-Diktatur aus Deutschland, wo er sich künstlerisch etabliert hatte und plötzlich als „entartet“ galt, fliehen musste, gewiss aber mit seinem künstlerischen Talent.

Jankel Adler wurde 1995 in Tuszyn bei Lodz geboren;  seine Familie vermittelte ihm das chassidische Judentum, das in seinem Frühwerk wiederkehrt, dort an Marc Chagall denken lässt und aus dessen Haltung heraus er 1919 Mitbegründer der Künstlergruppe „Jung Jiddisch“ in Lodz wird. Jedoch zieht ihn die Kunst des Rheinlandes schon früh in ihren Bann. In dieses reist er erstmals 1909 zu einer dort lebenden Schwester. Er besucht eine private Schule in Barmen, wohin er 1912 ganz zieht und einige Jahre später bei Gustav Wiethüchter an der Kunstgewerbeschule studiert. In Köln lernt er die Gruppe der „Kölner Progressiven“ und in Düsseldorf die Mitglieder des „Jungen Rheinland“ kennen und stellt mit ihnen aus. Ab 1920 lebt er in Düsseldorf und hält sich zeitweilig in Berlin auf, wo er die aus Elberfeld stammende Schriftstellerin Else Lasker-Schüler kennenlernt und porträtiert. Er wird zu einer Größe im Kulturleben in Berlin und Düsseldorf, aber 1933 werden seine Bilder als „entartet“ diffamiert. Adler flieht erst nach Paris, dann in seine Heimat Polen, er kehrt nach Frankreich zurück und schließt sich 1940 freiwillig der polnischen Armee im Westen an, mit der er vor den deutschen Truppen nach Glasgow fliehen muss. 1943 zieht er nach London, wo er sich gerade wieder als Künstler zurechtgefunden hat, als er 1949 an einem Herzinfarkt stirbt.

Ausgehend von dieser Chronologie unternimmt es die von Antje Birthälmer kuratierte Ausstellung, das Eigene inmitten der Zeitstile herauszuarbeiten. Zwangsläufig wirkt dies zu Beginn des Rundganges etwas hilflos, denn von Adlers Frühwerk ist so gut wie nichts erhalten und das geht inmitten der Werke seiner Zeitgenossen – wie etwa von Lasar Segall, der eine Entdeckung der Ausstellung ist – unter. Aber mit den 1920er Jahren wird es die erhoffte Jankel-Adler-Ausstellung. Sie berücksichtigt noch seine Porträts, die eine eindrucksvolle malerische Tiefe und psychologische Verdichtung kennzeichnet, etwa von Matthias Rech und – fast wie eine Vorwegnahme der heutigen „Leipziger Schule“ – von Nini Wachsberger. Diese atmosphärische Innigkeit setzt sich bei den Stillleben und den Katzenbildern fort, die ja eigentlich lapidare Sujets sind. Aber bei Jankel Adler wird das Fell zum Experimentierfeld malerischer Erkundungen, und er setzt die Tierkörper in ein antiillusionistisches Umfeld. Und dann folgt schon der stilistische Wechsel hin zur (teils an seinem Freund Paul Klee geschulten) zeichenhaften Verknappung. Die Abstraktion wird zur Grundlage des Spätwerkes mit seinen Referenzen an andere Künstler (Schwitters; Naum Gabo) und seinen Interieurs, welche sich mit ihrem Mobiliar in die Bildtiefe schieben. Etliche der Werke von Adler befinden sich übrigens im Besitz des Von der Heydt-Museums, das 1991 etliche Dokumente seiner Tochter erhalten hat. Aber das ist nur ein Hintergrund dieser Ausstellung; ausschlaggebend ist die beeindruckende Qualität der Malerei. Jetzt ist die Gelegenheit, sie kennenzulernen. 

Jankel Adler und die Avantgarde | bis 12.8. | Von der Heydt-Museum | 0202 563 62 31

Thomas Hirsch

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