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Klaus Rinke, Arsenal, 1965-1967, Material: Polyester-Elemente, Tonnen-Stangen-Zylinder, Becken und Reliefs, Wasser, © Klaus Rinke
Foto: Michael Richter

Kräfte der Natur

26. Mai 2017

Klaus Rinke im Skulpturenpark Waldfrieden – kunst & gut 06/17

Anschaulich und zugleich hermetisch, mehr eine Geste: Die Ausstellung von Klaus Rinke im Skulpturenpark Waldfrieden breitet die verschiedenen Facetten im Werk dieses renommierten Bildhauers, Konzeptkünstlers und einstigen Professoren an der Düsseldorfer Kunstakademie aus. Sie setzt Mitte der 1960er Jahre ein und schließt ganz aktuell. Sie berücksichtigt neben den Skulpturen und Installationen auch die monumentalen Bilder und bleibt doch konzentriert, auf das Wesentliche bezogen. Zu sehen sind Schlüsselwerke. Ihre Themen gehen mit Rinkes zentralen Metaphern einher, die Urkräfte der Natur sind, dem Wasser und der Zeit.

Als erstes sieht man im oberen Pavillon eine riesige robuste Normaluhr. Das weiße Zifferblatt ist schwarz eingefasst, auf der Rückseite befindet sich die gleiche Uhr. Der Durchmesser ist 3,40 Meter. Klaus Rinke erwähnt, dass man in seiner Skulptur „Ur-Ich“, die für ein Projekt von Jean Nouvel 2001/02 entstanden ist, auch übernachten könnte. Ist das nicht schon so etwas wie ein Sarg? Die Zeit, deren unaufhaltsames Vergehen auf der Uhr zu sehen ist, steht bei Rinke für die – endliche – Lebenszeit. Ähnlich vereinnahmend, nun aber irgendwie bedrohlich, wirkt das Feld aus acht schwarzen geschlossenen PVC-Fässern. Diese überragen den Besucher und sind untereinander mit Schläuchen verbunden, dazwischen kann man laufen, auch dann geben die Gefäße nichts von sich und ihrem Inhalt preis. Aber ein Rauschen ist zu hören. Und der Titel lautet „Plutonium“: Vielleicht befindet sich in diesen Behältern verseuchtes Wasser. Über die Symbolik für das Vergehen der Zeit hinaus vermittelt das Wasser, so wie es Klaus Rinke verwendet, inhaltliche, geschichtliche und existenzielle Aspekte. Wichtig ist Rinke der Bezug zum Ort, von dem es stammt. Bei der jüngsten Arbeit im unteren Pavillon ist das die Donau. Das Wasser befindet sich in einem Eimer neben einem Kruzifix und einem Messinglot, geschöpft dort, wo Rinke heute – im österreichischen Neufelden – lebt. Und im Ausstellungsraum daneben, bei der Installation „Insel“: Erinnert die Schichtung von verzinkten Gefäßen und Tageslichtlampen nicht an eine Kakteen-Plantage? Schließlich hat Rinke diese Pflanzen damals in Haan und, nach seinem Umzug nach Österreich, in Los Angeles gezüchtet, wo er schon seit 1981 einen Wohnsitz hat.

Mit solchen Spuren der Identität von Leben und Kunst wird die komprimierte (und deswegen leicht überladene) Werkschau zur konzentrierten Biografie. Klaus Rinke wurde 1939 in Wattenscheid – am Watermannsweg – geboren. Wichtig ist ihm der Hinweis, dass er im Ruhrgebiet aufgewachsen ist.

„Ich bin in den Schwefeldünsten der Kokerei groß geworden“, sagt Rinke. 1957-60 hat er an der Folkwangschule in Essen-Werden studiert. Eine Mitstudentin war Pina Bausch, und sofort fällt wieder ein, dass Rinke ab 1970 mit seinen „Primärdemonstrationen“ (gemeinsam mit Monika Baumgartl) im Ausstellungsgeschehen für Aufsehen sorgte. Die Fotografien zeigen das Verhalten des Körpers im Raum (etwa das Sitzen auf dem Boden), erweitert noch um die zeitliche Kompetente – so taucht bereits dort an der Wand die Normaluhr auf. Berühmt geworden aber ist er in diesen Jahren als Prozesskünstler. Dazu gehörte zu Beginn das Spritzen des Wassers, das damit in seiner Flüchtigkeit und als Form anschaulich wurde. Und Rinke ist damals in einen gefüllten Wasserbehälter gestiegen, atmend durch einen Schlauch. Das Schöpfen des Wassers hat er ebenfalls bereits in den 1970er Jahren – konzeptuell auf der Höhe der damaligen Zeit – vorgenommen. Zur Skulptur wird die lineare Anordnung der verschlossenen Wasserfässer etwa mit der lehnenden Schöpfkelle. Rinke hat zu einer derartigen Arbeit 1970 geschrieben: „Der Versuch, die Gegenwart eines Flusses Vergangenheit werden zu lassen. Ein Stück Naturereignis konservieren. Eine ganz einfache banale Handlung, die komplex wird. 12 Fass an zwölf verschiedenen Stellen des Rheins geschöpftes Rheinwasser.“ Mehr nicht, aber das. Wie vielschichtig und eindrucksvoll dieses Konzept auch heute noch ist, zeigt jetzt die Ausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden.

„Klaus Rinke. DERZEIT – Über Zeit und keine Zeit mehr zu haben“ | bis 25.6. | Skulpturenpark Waldfrieden | 0202 47 89 81 20

THOMAS HIRSCH

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