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Nico mit John Cale (l.) u. Lutz Ulbrich 1979 im CBGB
Foto: Allan Tannenbaum

Dunkler Stern, vergessene Stars

18. März 2020

Neue Bücher über Musikerinnen – Kompakt Disk 03/20

Der Kölner Elektronikproduzent Mathias Schaffhäuser tut sich mit „Love & Dancing on the Brink“ zum zweiten Mal mit dem Sänger Jorge Socarras (Ex-Indoor Life) als Fanatico zusammen. Nach den Coverversionen des Erstlings folgen nun Eigenkompositionen – oft im Club-Gewand, nicht zuletzt durch den Gesang mit Pop-Flair. Mitunter aber auch experimentell – sonderbare Klänge und freiere Strukturen auslotend. Nicht nur da scheint Schaffhäusers Interesse an der experimentelleren Seite der Popgeschichte durch (Hallucienda).

Auch aus Köln kommt „Nico“. Eine echte Pop-Ikone – das weiß man nicht erst seit der Dokumentation „Nico Icon“. Eine Künstlerfigur, die in ihrer unkalkulierten Radikalität bis heute fasziniert. Dieser Faszination hat sich zuletzt Tobias Lehmkuhl mit „Nico – Biografie eines Rätsels“ gestellt, musste aber beim Fischen im Trüben viel Gratwanderung zwischen Recherche und Mutmaßung überspielen. Der von Manfred Rothenberger und Thomas Weber herausgegebene, über 600 Seiten starke Reader zu „Nico“ findet in seinem multiperspektivischen Ansatz den spannenderen Hebel: Interviews mit der 1988 verstobenen Schauspielerin und Musikerin Nico, zeitgenössische Texte von Wegbegleitern und Kritikern, aktuelle Einlassungen zu dem jugendlichen Model und der kurzzeitigen Sängerin von The Velvet Underground, die danach mit ihrer kompromisslosen Dunkelheit ihren Fans das Blut in den Adern gefrieren ließ. Aktuelle künstlerische Kommentare in Wort und Bild ergänzen dieses Kompendium über eine so einzigartige wie mysteriöse Künstlerin (Starfruit).

Nicht nur eine, sondern fast 150 Musikerinnen und Bands werden in „These Girls“ vorgestellt. In Kurzporträts – mal sachlich, mal persönlich – werden all jene Frauen gewürdigt, die im männerdominierten Musikdiskurs meist zu kurz kommen. Da gehört Nico eher zu den Stars zwischen Yoko Ono, Hildegard Knef, Debbie Harry, Patti Smith, Edith Piaf, Kim Gordon, Le Tigre, M.I.A. oder Rihanna. Es gibt hier viel zu entdecken und musikalisch werden zwischen den 50er Jahren und heute kaum Grenzen gezogen. Gut – sowohl Helene Fischer als auch Doro fehlen, aber das dürften die meisten Leser verschmerzen...

Christian Meyer-Pröpstl

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