Das Übel ist in unserer Welt – und das Universum breitet sich ungerührt ins Nichts aus. Das stereotype Bitten um Erlösung von dem Bösen verhallt ungehört, während die kackbraune Flut der Dummen langsam über die Ufer tritt. Keine gute Zeit für unsere Demokratien. Was tun? Schon vor über 20 Jahren (!) hat der dänische Regisseur Anders Thomas Jensen eine bizarre Lösung angeboten: Apfelkuchen. In seiner preisgekrönten schwarzen Komödie „Adams Äpfel“ soll ein böser Neonazi in die Gesellschaft zurückgeführt werden.
Aus der dänischen Kinofassung wurde drei Jahre nach der Premiere bereits eine Uraufführung in Oldenburg. Auch im Kammerspiel versucht der Pfarrer Ivan in seiner abgelegenen Landgemeinde unbeirrt, schwere Straftäter und Drogenabhängige zu resozialisieren. Zu seinen Schützlingen gehören der arabische Tankstellenräuber Khalid und der notorische Vergewaltiger Gunnar. Beide scheinen auf einem guten Weg, bis der gewalttätige Neonazi Adam zu ihnen stößt. Der will eigentlich nicht resozialisiert werden, sondern nur einen Apfelkuchen backen.
In der kleinen Kapelle neben der Moerser Innenstadt inszeniert Simon Friedl zusammen mit Studenten der Essener Folkwang Universität der Künste gerade das wundersame Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Charaktere, deren Leben plötzlich von wundersamen Ereignissen beeinflusst werden. Nazi Adam resigniert schon fast, als er die Äpfel für seinen Kuchen pflücken soll. Krähen belagern den Baum, Würmer die Äpfel – und Thor schickt auch noch seinen Hammer. Dabei handelt es sich um einen gewöhnlichen Blitz, natürlich nicht um Chris Hemsworth. Dann zerstückelt Adam lieber das christliche Weltbild des Pfarrers. Ein skurriler und gewalttätiger Macht- und Glaubenskampf entsteht, an dessen Ende Ivan und Adam nicht mehr dieselben sind – hoffentlich genauso wenig die Zuschauer:innen in der Kapelle.
Adams Äpfel | 5. (P), 6., 7., 13., 14.6. | Schlosstheater Moers, Kapelle | schlosstheater-moers.de
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