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anna.luca singt

29. September 2011

Auf der ersten Platte der 28Jährigen ist viel Interessantes zu hören - Portrait 10/11

Sie gilt als Riesentalent und große Hoffnung der internationalen Jazzszene. Nun hat anna.luca ihr erstes Soloalbum aufgenommen. Eigentlich müsste das als großer Coup gefeiert und aufgeregt die Werbetrommel für die Frau gerührt werden – aber bis zur Veröffentlichung im Februar ist noch Zeit. Die Platte, benannt nach dem Titellied „Listen And Wait“, ist ein Knaller, und die Ankündigung „I’m gonna be the hurricane that rushes through your veins ...!" ist weder übertrieben noch falsch. Allerdings ist Anna Luca Mohrhenn, in Deutschland geboren, in Schweden aufgewachsen und der Liebe wegen in Wuppertal gelandet, schon längst eine erfahrene Künstlerin und die Platte bloß vollkommen überfällig. Zusammen mit dem ebenso coolen wie erfolgreichen NuJazz-Projekt „Club des Belugas“ begeistert sie seit langem auf renommierten Festivals, wird im Ausland im Radio rauf- und runtergespielt und singt vor Zehntausenden Fans. „Aber diese Platte ist etwas anders. Diese Songs habe ich für mich geschrieben, ohne auf jemanden Rücksicht nehmen zu müssen“, sagt sie unaufgeregt. Auf ihre eigene Weise umkreisen die Titel den Lebensweg einer Frau, die liebt, verliert, sich bestens amüsiert, sucht und schließlich bei Mann und Kind Einkehr hält.

So sind 13 kleine Geschichten entstanden über die Wunder des Alltags, über Liebe und Verlust, über Zigaretten und Wein, über die Sehnsucht nach der Ferne und die Suche nach einem Zuhause. Stories von einem gelebten Leben eben. Unprätentiös und wohlklingend.

Jedes Wort ist gut gewählt und ernst gemeint

„Musik ist meine große Liebe“, beschreibt sie. „Es geht mir darum, Bilder und Assoziationen zu finden, um meine Gefühle in Worte zu fassen. Ich habe schon immer geschrieben, schon als kleines Mädchen habe ich mir Märchen ausgedacht und notiert.“ Poetisch war sie auch damals. Dass die Farbe Rot in Lappland Signalwirkung hat, war ihr im Schulaufsatz als Erstklässlerin sehr wohl bewusst, aber egal. Sie setzte die Farbe in einen anderen Kontext, nämlich als blumigen Liebesbeweis eines Mannes für seine Angebetete. Und jetzt verbindet sie eben auf die ihr eigene Weise „meine beiden Lieben: Die Musik und das Schreiben.“

„Ich bin eigentlich recht genügsam – ich mag das Leben und schöne Melodien. Ich versuche, meine Texte so zu schreiben, dass man deren Sinn sofort erfassen kann. Es geht mir darum, Geschichten zu erzählen, und nicht darum, dem Hörer Rätsel aufzugeben. Ich mag es, mit der Sprache zu spielen, und verstecke hier und da auch was zwischen den Zeilen, aber im Grunde ist es doch alles recht klar …“.

Ihre Texte untermalt sie mit einer eigenen Struktur aus Jazz und Pop, klassischen Elementen und entsprechendem Groove. Sie spielt mit Kontrasten und versucht, jede klangliche Facette ihrer Band auszukosten.

Keine Pose, sondern Haltung

Erzählen kann sie, und ihre Art, Geschichten zu erzählen, hat so gar nichts von oberflächlicher Pose. Mit tastender Vorsicht und Interesse an der Situation begegnet die Sängerin im Gespräch ihrem Gegenüber. Ja, ihr musikalisches Talent sei früh erkannt worden. Als älteste Tochter eines Geigers und einer Cellistin, begann sie als Vierjährige, Klavier zu spielen. Sie spielte all die klassischen Sachen, Beethoven, Bach und Brahms und „meine Eltern (aber auch ich selbst) haben sich gewünscht, ich würde diesen klassischen Weg weitergehen“. Klassik beschreibt sie als die hohe Kunst der Perfektion und Bewahrung von Tradition. „In moderner Musik sind Idee und Inspiration maßgeblicher“.

Es war von Anfang an klar: Musik ist es – nur die richtige Form galt es zu finden.

„Ich komme aus einer Musikerfamilie, und mir ist von meinen Eltern sicher vieles in die Wiege gelegt worden. Das mag einiges erleichtern und eine Richtung vorgegeben haben, es ersetzt aber nicht die Arbeit als Instrumentalist und die Auseinandersetzung mit einem Selbst. Kreatives Schaffen ist immer auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Person – was oft schmerzhaft ist. Meine Eltern haben mich in diesem Prozess immer unterstützt. Ich bin froh, dass Sie mich haben machen lassen – und froh, dass sie mir gelegentlich in den Allerwertesten getreten haben. Letztendlich haben meine Eltern gesehen, was mich antreibt, noch bevor ich es selbst verstanden habe, und mich ans Klavier gesetzt.“

Auf der Suche nach einem eigenen Weg musste sie sich trotzdem machen. Mit 17 hat sie dann in einer HipHop-Band gespielt, „alles live, diese Beatlastigkeit hat mich umgehauen“. Zusammen mit dem jüngeren Bruder sang sie in einer Crossover-Band, um auszuprobieren. Und parallel lief das Studium am klassischen Instrument, dem Klavier. Lange glaubte sie, Pianistin zu werden, sei das Richtige. Aber anstelle dessen ging sie mit Anfang 20 über München nach Köln. In der Domstadt lernte sie Johannes Stankowski und Philip Stegers aka Lee Buddha kennen, die sie als musikalische Ziehväter bezeichnet. Das Studium des Jazzgesangs an der Musikhochschule in Arnheim folgte. „Da lief mir mein späterer Ehemann über den Weg.“ Chris half, eine eigene Band zu organisieren, die anna.luca-Band. Das war 2005, nebenher liefen allerlei Projekte. Mit „Club des Belugas“ ging sie steil, nebenbei unterrichtete sie, schrieb Songs für andere. Und jetzt die erste eigene Platte, für die sie „immer mehr das Zepter in die eigene Hand genommen hat. Das sind Geschichten über mein Leben, einen Lebensabschnitt, und ich freue mich darauf, diese Songs live zu spielen.“ Dieses Gefühl, sagt sie, ist einzigartig. „Darauf möchte ich nie verzichten! Das ist es worum es am Ende geht: ums Musikmachen. Manchmal glaube ich, ich kann nichts anderes.“

Wirkliche Vorbilder hat sie übrigens keine. „Aber Tom Waits, dessen Geschichten sind der Hammer.“ Das aber ist ein anderes Thema und soll zu einem anderen Zeitpunkt erzählt werden.

anna.luca „Listen And Wait“ erscheint im Frühjahr 2012 bei ChinChin Records

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