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Foto: She Dortmund

Underground-Rap im Tal

24. Oktober 2019

Das Von-Abseits-Festival in der Wuppertaler Börse – Musik 10/19

„Wer auch immer grad der neue Stern am Schmutzhimmel ist – Ich krieg' nix von euren Clubsingles mit“, rappt Prezident auf „Roundhousebeckerfaust“, einem seiner neueren Songs und stellt unmissverständlich klar, was er von den gehypten Popstars der Deutschrap-Szene hält: herzlich wenig. Folglich werden derartige Acts auch nicht beim von ihm initiierten Festival vertreten sein, das nun bereits zum dritten Mal in der Börse stattfindet.

Die Autotune-Klänge, die man oft lautstark von Bus-Rückbänken und aus den offenen Fenstern von Sportwägen hört, würde man am 26. Oktober in der Börse also wohl ebenso vergeblich suchen, wie Texte über Gangsterimages, Bizepsumfänge, Modemarken und andere Statussymbole sowie die dazugehörige charakteristische Stimmlage von Capital Bra, Farid Bang, Kollegah, der 187 Strassenbande und Konsorten.

Stattdessen wird das Von-Abseits-Festival aber auch in seiner 2019er Auflage wieder unter Beweis stellen, dass sich im Untergrund abseits des Mainstreams keineswegs nur minder talentierte Rapper tummeln – im Gegenteil.

2017 wollte Prezident, der bürgerlich Viktor Bertermann heißt, und zuvor schon einige Hip-Hop-Veranstaltungen im Klub auf der Gathe organisiert hatte, „eine größere Party mit mehreren Acts“ veranstalten. Als geeignete Location lag für den Wuppertaler die Börse nah. Dort stieß er auf offene Ohren: „Als Börse sind wir für solche Ideen immer offen und versuchen, die lokale Musikszene zu unterstützen. Obwohl hier normalerweise nicht so viel Hip-Hop stattfindet, haben wir es einfach mal probiert. Beim ersten Mal war es sofort ein voller Erfolg. Deswegen stand außer Frage, dass wir es weitermachen“, so Felix Dumnick. In diesem Jahr ist die Börse auch erstmalig offiziell Veranstalter des Festivals. Übrigens wurde diesmal die visuelle Gestaltung, auch in Form von Beamer-Projektionen in Rot-Tönen gehalten und es prägen vergrößerte Mikroorganismen das Bild: „Diese Kleintierwelt steht für das, was unsichtbar im Verborgenen existiert und soll den Untergrund ausdrücken“, erklärt Prezident, der auch nach wie vor für die Auswahl der Künstler zuständig ist: „Es gibt gar nicht so viele Leute, die in dieses Programm passen“, berichtet er. Denn für das Lineup sei einiges bedacht worden: „Es soll kein reines Boom-Bap-Golden-Era-Festival sein. Diese Golden-Era-Romantik will ich gar nicht so sehr haben. Und natürlich habe ich auch darauf geachtet, dass die Leute live was taugen.“

 

Das Lineup im Detail:

Prezident gilt schon seit dem Release seines Debütalbums „Kleiner Katechismus“ vor über 11 Jahren, als Insidertipp im deutschsprachigen Hip-Hop. Er selbst bezeichnete sich schon 2008 als „der beste Rapper, von dem du noch nie gehört hast“. Darauf, dass er mit dieser Ansage womöglich auch heute nicht ganz falsch liegt, deutet auch seine kürzlich veröffentlichte EP „Zahnfleischbluter Prezi Blues“ wieder hin.

Amewu ist in diesem Jahr ein weiterer Headliner. Der Berliner ist mit seinen Alben „Entwicklungshilfe“ und „Leidkultur“ ebenfalls eine Größe der alternativen Rapszene. Trotz seines schnellen Rapstils bleiben seine sozialkritischen Botschaften nicht auf der Strecke.

Pöbel MC ist – in den Worten von Prezident – ein „stabiler, linker Atze“, kommt ursprünglich aus Rostock, lebt heute in Berlin und bringt unmissverständlich politische Botschaften rüber, etwa gegen Sexismus und Rassismus. Garniert wird das Ganze mit Humor und Battlerap-Style. Und der Künstlername ist Programm.

Lord Folter stimmt im Gegensatz dazu eher nachdenkliche Töne an. Der Düsseldorfer ist schon bei den ersten beiden Malen beim Von-Abseits-Festival aufgetreten: 2017 alleine und 2018 mit AzudemSK.

Hinz und Kunz „sind Inventar“, sagt Prezident. Das Trio aus dem Ruhrpott, das aus den Rappern Flip Ferocious und Elsta sowie DJ Word-Up besteht, steht ebenfalls zum dritten Mal auf der Von-Abseits-Bühne.

Akzent One ist, genau wie Hinz und Kunz, Teil des Dortmunder Kollektivs SBK Basement. Außerdem ist er Teil des Gesellen-Kollektivs aus seiner Heimatstadt Wuppertal.

Neon Racer, auch bekannt als Yaesyaoh, klingt eher inspiriert von elektronischer Musik und Trap. Prezident meint: „Fällt zwar ein bisschen raus, aber wird richtig abgehen.“

Mastino kommt aus Wuppertal und macht schon seit 2003 Musik im Untergrund. Als Support bringt er die Produzenten Epic Infantry und den Freestyler Wiemaz mit.

Darüber hinaus sind mehrere Beat- und DJ-Sets Sets angekündigt, von: Jay Baez, Mythos (von den Kamikazes), Msnthrp und DJ Smochi.

 

Von Abseits Festival | 26.10., 17 Uhr | Die Börse | Wolkenburg 100, 42119 Wuppertal | whiskeyrap.de/vonabseits2019.htm

Jan Turek

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