engels: Herr Goecke, ist Rechtsextremismus in Wuppertal ein Thema?
Sebastian Goecke: Leider ja. Seit der letzten Kommunalwahl haben wir jeweils einen Vertreter der NPD und der Republikaner im Stadtrat. In letzter Zeit ist in Vohwinkel eine Szene Autonomer Nationalisten entstanden.
Tristesse strahlt der Bahnhofsvorplatz von Vohwinkel aus. Schneeregen tropft in die großen Pfützen vor dem Gehweg. Alle angrenzenden Ladenlokale stehen leer. Die Schaufenster sind notdürftig mit Packpapier verklebt. Lenkt der Besucher seine Schritte unter die Eisenbahnbrücke und dann links auf die Kaiserstraße Richtung Postamt, verstärkt sich sogar noch der Eindruck. Kaum ein Geschäft ist in den ehemals herrschaftlichen Häusern aus der Gründerzeit noch geöffnet. Wer einen Endzeitfilm drehen möchte, könnte hier viele geeignete Kulissen finden. Wie aber mag es denen gehen, die hier wohnen? Der Stadtteil hat in den letzten Wochen mehrere Male für Schlagzeilen gesorgt. Von den Jugendlichen, die mit Pfefferspray die Premiere des Films „Das braune Chamäleon“ vom Medienprojekt Wuppertal im Cinemaxx verhindern wollten, kamen zwei junge Männer aus Vohwinkel.
EIm tiefen Tal zu Glüder wurde am 6. Januar 1903 Solinger Stadtgeschichte geschrieben. In Anwesenheit der Solinger Stadtväter und Vertreter der lokalen Industrie wurde der Kaisersaal mit elektrischer Energie erleuchtet.
Rechtswidriger Vorgang oder Musterbeispiel für pingelige Bürokratie? Dunkle Wolken liegen jedenfalls über modernen Solarkollektoren mit einer Leistung von 18 Kilowatt. Die erst im Dezember 2009 installierte Photovoltaik-Anlage mit rund 100 Platten auf dem Dach des Gemeindezentrums der Evangelischen Kirchengemeinde in Wuppertal-Vohwinkel wird zum juristischen Streitfall.
engels: Herr Thomas, trägt die Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken zum Klimaschutz bei?
Stefan Thomas: Nein, sie bringt eher Nachteile für den Klimaschutz, weil sie den Umbau des Energiesystems hinauszögert.
engels: Herr Hüttenhölscher, sind Sie zufrieden mit der Energiepolitik der Bundesregierung?
Norbert Hüttenhölscher: Viele Teile des Energiekonzepts der Bundesregierung sind sehr ambitioniert und zu begrüßen. Aus Sicht der Stadtwerke wäre aber eine kürzere Laufzeitverlängerung wünschenswert gewesen.
ENGELS-THEMA IM November:
HOCHSPANNUNG
Die in Berlin beschlossene Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke spaltet nicht nur Regierende von Regierten. Während sich die großen Energiekonzerne über Extragewinne freuen können, sind die Aussichten für die Wuppertaler Stadtwerke nicht gerade rosig.
Es regnet an diesem trüben Septembernachmittag. Der Geruch von moderndem Wasser steigt aus der Wupper empor. Dampf zischt aus den Rohren für die Fernwärme und nebelt das Bild der historischen Adlerbrücke ein. Auch die anderen Leitungen und Rohre, die an die Stahlkonstruktion angebracht sind, rosten vor sich hin und machen keinen vertrauenserweckenden Eindruck.
„Ich habe Wuppertaler Blut im Körper, und mir tut es weh, was da alles abgerissen wird“, bekennt Manfred Bröcker. Der 72Jährige hat es spürbar satt, dass in Wuppertal vieles abgerissen oder geschlossen wird. „Man hat uns schon eine Bergbahn genommen, die Straßenbahn, das Kurbad und das Thalia“, so der in Unterbarmen geborene Bröcker.
engels: Herr de Bruyn-Ouboter, wie wichtig ist die Adlerbrücke für Wuppertal?
Hans Joachim de Bruyn-Ouboter: Die Adlerbrücke ist die älteste aus Stahl gebaute Wupperbrücke. Man hat 1868 noch nicht genau gewusst, wie man Stahlbrücken baut und die Statik von Holzbrücken übernommen. Schon deshalb ist sie so einzigartig.

Mehr, mehr, mehr!
Intro – Eine eigene Geschichte
Unser gemeinsames Einwanderungsland
Teil 1: Leitartikel – Wie wir eine freiere Zukunft gestalten können
„Das politische Handlungsbewusstsein fehlt“
Teil 1: Interview – Amadeu-Antonio-Stiftung: Lorenz Blumenthaler über Fremdsein und Diskriminierung
Integration unter Druck
Teil 1: Lokale Initiativen – Der Jugendmigrationsdienst Wuppertal begleitet Menschen durch ein widersprüchliches System
Mehr als einem lieb sein kann
Teil 2: Leitartikel – NS-Erbe: Das Arbeitsrecht unterdrückt politischen Widerstand von Beschäftigten
„Im Augenblick sehe ich keine kritische Masse für eine breite Bewegung“
Teil 2: Interview – Politologe Alexander Gallas über Protest, Streik und Generalstreik
Bildung für die diverse Gesellschaft
Teil 2: Lokale Initiativen – Der Kölner Stadtverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Zweifel der Gesellschaft
Teil 3: Leitartikel – Erinnerungskultur muss sich von Ritualen verabschieden
„Verhindern, dass Wissen durch Geschichtspolitik ersetzt wird“
Teil 3: Interview – Historiker Jörn Leonhard über Angriffe auf die Erinnerungskultur
Gegen die Menschenverachtung
Teil 3: Lokale Initiativen – Das Fritz-Bauer-Forum in Bochum
Den Banken widersprechen
Island und das Gemeinwohl – Europa-Vorbild Island
Deutsche Angst
Geschichte und Gedächtnis – Glosse
Deckmantel Gefühl
Intro – Guter Umgang
Alles Lüge!
Teil 1: Leitartikel – Duz-Kultur und falsches Wir-Gefühl verschleiern Interessenkonflikte auf der Arbeit
„Das Gefühl, dass hier Nähe entsteht“
Teil 1: Interview – Psychologin Lara Luisa Eder über persönlichen Umgang auf der Arbeit
Nicht sprachlos in den Ruhestand
Teil 1: Lokale Initiativen – Das Fachgebiet Arbeitswissenschaft an der Uni Wuppertal
Benimm dich!
Teil 2: Leitartikel – Eine Gesellschaft kann nur frei sein, wenn sich ihre Mitglieder an Regeln halten
„Heute sind die Menschen eher bei sich“
Teil 2: Interview – Kommunikationspsychologin Christine Flaßbeck über Sprache im Wandel
Entspannt unterwegs
Teil 2: Lokale Initiativen – Köln: KVB-Kampagne für mehr Freundlichkeit
Dubidu
Teil 3: Leitartikel – Reiz und Risiken niederschwelliger Verständigung
„Ein Stammtisch hat nicht nur negative Seiten“
Teil 3: Interview – Medienwissenschaftlerin Paula Nitschke über politische Influencer:innen
Gut erzählte Wahrheit
Teil 3: Lokale Initiativen – Die Agentur Kugelfisch Kommunikation in Essen
Öffentlichkeit muss man lernen
Medienbildung als demokratische Aufgabe – Europa-Vorbild Frankreich
Kant war lowkey deep
Career Offboarding Experience: Abschied von der Komplexität – Glosse
Lohn der Angst
Intro – Nach der Arbeit