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FRAGEN DER ZEIT – Zukunft JETZT

POLITIK-LABOR – Ein Thema, drei Schwerpunkte: Aufmacher, Interviews, Europa-Artikel, Glosse und Lokaltexte aus Köln, Wuppertal und dem Ruhrgebiet

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Foto: Cornelia Wortmann

Ausgeliefert / Demütigung als Werkzeug
Intro

Demütigungs-Werkzeuge wie Pranger, Schandpfahl und -käfig sind für uns vergangen. Demütigung ist es nicht. Die körperliche Bestrafung ist in den Hintergrund getreten, obwohl noch Zeitgenossen in der Schule nicht nur das Eckenstehen am eigenen Leib erfahren haben, sondern auch die Prügelstrafe vor der Klasse. Demütigung wird wie folgt beschrieben: Sie braucht ein Publikum, ist inszeniert, festigt eigene Macht und fremde Ohnmacht, definiert, wer zur Gruppe gehört und wer nicht. Sie ist also keine bloße Beleidigung. Wer gedemütigt wird, muss ertragen, den Blicken der anderen ausgeliefert zu sein – vor einer Öffentlichkeit. Wie gut stehen einer Demokratie ‚Läuterungsmethoden‘, die eine Rückkehr in die Gemeinschaft teils nur unter Anstrengungen erlaubt und leicht zu missbrauchen sind? Müssen wir es einer Gesellschaft ermöglichen, das Verlangen nach Demütigung sozialverträglich auszuleben?

Ausgliefert / Demütigung als Werkzeug 
TEIL 1: Satirische Demontage


Für Tucholsky war alles klar: Satire darf alles. Kunstfreiheit wandelt dennoch auf einem umstrittenen Pfad. Wo endet Satire, wo beginnt das Persönlichkeitsrecht? Zuweilen hallt noch der Eklat um das Erdoğan-Schmähgedicht Jan Böhmermanns nach. Beate Zschäpe wurde in der heute-show als „Glatzenmatratze“ betitelt. Kabarettist Urban Priol drückt Verachtung für Politiker, Banker, Konzernchefs oder Pegida aus in anspruchsvollen oder plakativen Schimpfkaskaden. Was bewirkt all das? 

Ausgliefert / Demütigung als Werkzeug 
TEIL 2: Mediale Demütigung

 

Wir reden vom Zeitungspranger und von Hetzkampagnen. Die prominenteste Boulevardzeitung Deutschlands brachte 2015 den „Pranger der Schande“, die Heinrich-Böll-Stiftung erprobte das sog. Online-Lexikon „Agent*in“, das Personen versammelte, die sich hervorgetan hätten durch „Angriffe gegen Feminismus, Gleichstellungspolitik, sexuelle Selbstbestimmung, gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechterforschung“; nach eigenen Worten gemäß ihres demokratischen Anliegens. 

Ausgliefert / Demütigung als Werkzeug 
TEIL 3: Auf die Knie – erotische Demütigung

Vom Marquis de Sade leitet sich der Name einer ganzen (Sub)Kultur her: Sadismus. Die sexuellen Ausschweifungen des adligen Schriftstellers sind umrankt von Legenden. Die sinnlichen Romane seiner Epigonen füllen Buchhandlungsregale. Um wirklichkeitsnahe Prosa dürfte es sich weniger handeln, eher um leicht verkäufliche Klischees. 

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